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Lexikon zum Laborbefund

Katecholamine

Die Biosynthese der Katecholamine erfolgt ausgehend vom Tyrosin über L-Dopa und Do­pamin zu Noradrenalin und Adrenalin in den Nebennieren und im Nervensystem. Nach der Synthese werden sie in den chromaffinen Zellen gespeichert und durch neuronale Einflüsse von dort aus ins Blut freigesetzt. Ihr Abbau erfolgt dann über Normetanephrin und Metanephrin zu Vanillinmandelsäure. Ihre Ausscheidung erfolgt dann zu 85 % als Vanillinmandelsäure (VMS) und ca. 15 % als Metanephrine. 3-Methoxytyra­min und Homovanillin­äure sind Abbauprodukte von Dopamin.

Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin be­schleu­nigen sehr schnell die Herz-Kreis­lauf-Funktio­nen. Die Herzaktion wird be­schleunigt, der Blut­druck erhöht, die Mus­kulatur stärker durchblutet und der Körper damit in sofortige Fluchtbereit­schaft ge­bracht.

Phäochromozytome sind beim Erwachsenen relativ seltene Tumore des Nebennierenmarks. Sie ent­stehen aus den chromaffinen Zellen und sind durch eine auto­nome Freisetzung von Adrenalin und Noradrena­lin charakteri­siert. Gelegentlich können Tu­mor­nester auch im Gastrointestinal- oder Urogenital-Trakt vorkom­men. Am häu­figsten treten Phäoch­romozytome zwi­schen dem vierten und fünften Lebens­jahr­zehnt auf.

Leitsymptom eines Phäochromozytoms ist die arterielle Dauer- oder Anfallshyperto­nie mit Be­schwerden wie Tachykardien, Kopfschmerzen, Flush und Schweißaus­brüchen. Im Anfall finden sich erhöhte Plasmakatecholaminwerte, in an­fallsfreien Intervallen können jedoch auch nor­male Werte gemessen werden. Neuroblastome zeigen als wichtige Symptome Durchfälle, Schweißausbrüche, Fieber, Anämie und Ge­wichtsabnahme. Ein Hypertonus tritt nicht re­gelmäßig auf.

Phäochromozytome treten auch im Rahmen ei­ner multiplen endokrinen Neoplasie vom Typ II (MEN 2) auf. Auf Grund somatischer mu­tatio­nen kommt es zum gemeinsamen Mani­fes­tation eines medullären Schiddrüsenkar­zi­noms, einem primären Hyperparathyreodismus und – teil­weise –  multiplen Schleimhaut­neuro­men.

Entscheidend für die Diagnostik eines Phä­ochro­mozytoms ist die Konzentration von Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin im Plasma oder Urin und der Abbauprodukte, z. B. Vanillinmandel­säure (VMS), Homovanillin­säure und Meta­nephrine/Normetanephrine im Urin. Die Be­stimmung der Vanillin­man­del­säure wird we­gen der geringen Sensitivität nur selten einge­setzt.

Die er­höhte Plasmakonzentration der Ka­techo­lamine kann als Ausdruck der gesteigerten aktu­ellen Katecholaminproduktion ange­sehen wer­den. Sie ist im grenzwertigen Bereich sensi­tiver und zudem von einer korrekten Urin­samm­lung nicht abhängig. Die quantitative Bestimmung der Metanephrine im Plasma hat eine hohe Spezifität.

Dagegen wird die Be­stimmung im 24-Stunden-Urin, gesammelt über 5-10 ml Eisessig, von kurzfristigen Schwan­kungen der Plas­ma­­kon­zentration nicht be­einflusst. Beide Ver­fahren er­gänzen sich in idealer Weise. Beim Neu­ro­blastom und Mela­noblastom kommt es ebenfalls zu ei­ner erhöhten Produktion der Ka­techola­mine oder deren Ab­bauprodukten.

Neuroblastome entstehen aus den Neu­roblasten des Nebennierenmarks und des Sympathikus und sind nach Leukämien und Gliomen dritthäufigste maligne Er­krankung des Kindesalters. Bei den Neuroblastomen kommt es zu einer er­höhten Produktion von Dopamin, Homova­nillinsäure und Vanillinmandelsäure, weni­ger häufig von Ad­renalin und Noradrena­lin.

Erhöhte Dopaminwerte im 24h-Urin beim Erwachsenen sind Zeichen der Levodopa-The­rapie beim M. Parkinson.

Melanoblastome (malignes Melanom) sind neu­roektodermalen Ursprungs. Bei diesen Tumoren der Haut, seltener auch der Schleimhaut, sind ebenfalls erhöhte Do­paminwerte zu erwarten.

Die Blutabnahme für Katecholamine (nur EGTA-Blut) sollte am liegenden Patienten er­folgen, dem mindestens 30 Minuten vorher eine Verweil-Kanüle gelegt worden ist, da bei der Venenpunktion oder beim Übergang vom Liegen zum Stehen die Katecholaminwerte stark ansteigen können.

12 Stunden vor Blutentnahme sind Alkohol, Tee, Kaffee und Nikotin zu vermeiden, 48 Stunden vorher sind nach Rück­sprache mit Arzt alle Medikamente abzusetzen. Entspechendes gilt für die Gewinnung des 24h-Sammelurins.

Normbereich  für Erwachsene im EGTA-Plasma:

Adrenalin bis 85 ng/l, Noradrenalin bis 275 ng/l, Dopamin bis 85 ng/ml

Normbereich  für Erwachsene im 24h-Sammelurin:

Adrenalin bis 20 µg/die, Noradrenalin bis 100 µg/die, Dopamin bis 600 mg/die, Metanephrine bis 340 mg/die, Normetanephrine bis 440 µg/die, Homova­nillinsäure bis 10 mg/die, Va­nillin­man­delsäure (VMS) bis 6 mg/die


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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