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Lexikon zum Laborbefund

Funktioneller Eisenmangel

Ein funktioneller Eisenmangel besteht, wenn zwar die Eisenspeicher ausreichend mit Eisen ge­füllt sind (normale Ferritin­werte), es aber trotzdem zu einer unzurei­chenden Eisenversor­gung der Erythro­poese kommt. Eine adäquate Ei­senversor­gung lässt sich durch Messung des reti­kulozytären Hämoglobingehalts (CHr) und durch die Bestimmung des Prozentsatzes an hy­pochromen Erythrozyten (HYPO) er­mitteln.

 Steigt der Anteil der hypochromen Erythrozyten deutlich über 2.5 % oder kommt es zu einem Ab­fall des CHr unter 29 pg, so besteht eine eisende­fizitäre Erythropoese.

Ein solcher funktioneller Ei­senmangel kann dann auftreten, wenn bei hö­her dosierter EPO-Therapie die be­grenzte Trans­portkapazität des Transfer­rins nicht mehr aus­reicht, den gesteigerten Eisenbedarf des Kno­chenmarks zu de­cken (Ferritin normal, Transfer­rinsättigung erniedrigt, sTfR-F Index > 3.2 ).

Ein funktio­neller Eisenmangel findet sich dar­über hinaus auch bei chronisch entzündli­chen oder malignen Erkrankungen, bei denen Eisen aus der Zirkulation zurück in die Speicher verlagert wird (Ferritin er­höht, Transferrin und Serumeisen er­nied­rigt, sTfR-F Index > 2,0).

Im Vergleich zum Serum-Ferritin stellte sich her­aus, dass sTfR unter bestimmten Bedingun­gen der zuverlässigere Para­meter bei der Diag­nose einer Eisenman­gelanämie ist. Zum einen fin­det man glei­che Transferrin-Rezeptor-Spiegel bei bei­den Geschlechtern, während beim Ferritin erhebliche Unterschiede auftreten.

Außer­dem ist der Rezeptor-Anstieg mit dem Ei­senmangel im Gewebe korreliert, während der Ferritin-Abfall mit der Mobilisierung von Eisenreserven einher­geht, also noch kein eigent­licher Mangel beste­hen muss. Der sTfR-F Index kombiniert beide Be­stim­mungen.

Zudem ist die Diagnose einer Eisenman­gel-Anä­mie insbesondere in der Schwan­gerschaft be­dingt durch den Anstieg des Plasmavolumens besonders problema­tisch („Verdünnungsanä­mie“). Der Serum-Ferritinspiegel fällt teilweise dramatisch ab, während der Wert des löslichen Transferrin-Rezeptor im Normbereich bleibt. An­dere Parameter dagegen ändern sich zu träge, um bei der Diagnose der echten Eisenmangel-Anämie in der Schwangerschaft hilfreich zu sein.

Ein schwieriges Problem stellt auch die Abgren­zung einer Eisenmangel-Anämie von anderen Anämieformen, insbeson­dere einer hypoprolife­rativen Anämie, dar. Diese tritt oft bei chroni­schen Erkrankun­gen auf, wo das Ferritin - auf­grund von Ent­zündungsprozessen vor allem in der Leber - fälschlich hoch oder normal blei­ben kann, so dass eine tatsächliche Ei­senmangel-Anämie nicht über ein ernied­rigtes Serum-Ferri­tin bestätigt werden kann.

Der Transferrin-Re­zeptor aber korre­liert direkt mit der Schwere der Anä­mie, so dass die Eisenmangel-Anämie über den Rezeptor-Anstieg sicher erkannt werden kann, während der Transferrinre­zeptorwert bei der hypoproliferativen Form in der Regel unver­ändert bleibt.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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