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Lexikon zum Laborbefund

Anti-Mueller-Hormon (AMH)

Das Anti Müller Hormon (AMH, nach Johann Peter Müller) ist ein Glykoprotein und ist bei der sexuellen Differenzierung während der Embryonalentwicklung sowie  beim Gewebe­wachstum und der Gewebedifferenzierung von besonderer Bedeutung. AMH wird mit Beginn der Pubertät bei Frauen von den ovariellen Gra­nulosazellen produziert, mit der Menopause setzt die Produktion aus. 

Da die Serumspiegel des AMH mit zu­nehmendem Alter abnehmen und eine gute Korrelation zur Zahl der Follikel aufweisen, liegt die Indikation zur Bestimmung von AMH insbesondere in der Einschätzung der ovariellen Reservefunktion. Unter einem Grenzwert von 1 ng/ml haben über 80% aller Frauen eine eingeschränkte ovarielle Funktionsreserve. Bei Frauen mit ungenügender Reaktion auf exogene Hormonzufuhr, den sogenannten “low responder“, definiert durch weniger als 4 Oozy­ten unter Stimulation, hat AMH eine bessere prädiktive Wertigkeit zur Stimu­lier­barkeit der Eierstöcke als FSH oder Inhibin B. Der AMH-Spiegel ist bei den „low responder“ niedriger als bei Frauen mit einer normalen Eierstockreaktion (4 und mehr gefundene Oozy­ten). Darüber hinaus, zeigt AMH keine zyklus­abhängigen Schwankungen, die Blutentnahme kann zu je­dem Zeitpunkt des Menstruations­zyklus er­folgen.

Die Serumspiegel des AMH nehmen mit höherem Alter ab, zunehmend wird der Para­meter als Surrogatmarker für die „biologische Uhr“ der Frauen im gebärfähigen Alter eingesetzt. Die Untersuchung des AMH bei Frauen über 35 Jahre wird als Screening-Test zum Abschätzen des Fertilitätsstatus im Rahmen der Famillienplanung empfohlen.

Neben der Diagnose einer Pubertas prae­cox/tarda - bei Pubertas praecox werden nied­rige und bei Pubertas tarda hohe AMH-Spiegel beobachtet - sowie der einer gonadalen Funk­tionsstörung beim Mann ist eine weitere Indi­kation der AMH-Bestimmung die Diagnostik von Patientinnen mit einem Polyzystischem Ovar Syndrom (PCOS), da diese erhöhte AMH-Spiegel aufweisen.

Normbereich: Frauen 1,3-7,0 µg/l


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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