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Lexikon zum Laborbefund

Erythropoetin

Erythropoetin zählt zur Klasse der Gly­koproteo­hormone. Es besteht zu 60% aus einem Protein- und zu 40% aus einem Kohlenhydratanteil. Der Proteinanteil be­stimmt die Aktivität, der Koh­lenhydratanteil die pharmakologische Wirksam­keit. Erythropoetin wird größtenteils in der Niere, aber auch zu ca. 10-20% in der Le­ber ge­bildet und steht in einem direkten Zu­sammen­hang mit der Bildung der roten Blutkörperchen.

Erhöhte Erythropoetinspie­gel führen zu einer ge­steigerten Produktion der Erythro­zyten, er­kenn­bar an einer Retikulozytose und ei­nem Anstieg des Hämatokrits, wäh­rend niedrige Spiegel mit einer Verminde­rung der Erythrozytenmasse as­soziiert sind. Bei einer Gewebehypoxie kommt es regulato­risch zu einer Erhöhung der Erythro­poe­tinkonzentration und damit zu einer se­kundä­ren Polyglobulie. Ursachen einer sol­chen Hypo­xie bestehen in einem ver­mindertem O2-Gehalt im arteriellen Blut, Blutverteilungsstörungen und erhöh­tem O2-Verbrauch des Gewebes. Ein ent­spre­chender Rezeptor, der für die Regula­tion der renalen Synthese verantwortlich ist, wird in der Niere vermutet.Ein Mangel an Erythropoetin führt zu einer Verringe­rung der Erythrozyten­masse und damit zu einer normozytären, nor­mochromen Anä­mie. Eine terminale Nierenin­suffizienz kann eine solche veringerte Erythro­poe­tinbil­dung verursachen. Bei den sympto­mati­schen Polyglobulien führt eine ver­mehrte Erythropoetinbildung zu einer kon­sekutiven Steigerung des ro­ten Zellvolu­mens. Dagegen ist die Ver­mehrung der Erythrozyten bei der Poly­cythaemia vera als myeloproliferativem Syn­drom auto­nom, das Erythropoetin ist eher ver­min­dert. Einige Tumoren induzieren sekundär eine Erhöhung des Erythropoetins. Dazu gehö­ren das Hypernephrom und be­stimmte Formen des Bronchialkarzinoms.

Indikationen für die Bestimmung des Erythro­poetins sind demnach alle unklaren For­men einer Anämie, bestimmte Tumor­formen sowie die Dif­ferentialdiagnose zwi­schen Po­lyglobulie und Po­lycythaemia vera.

Normbereich: 1.6-34.0 U/l


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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