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Lexikon zum Laborbefund

Gestosen

Eine Gestose ist eine Erkrankung in der Schwan­gerschaft und ursächlich durch sie bedingt. An­dere Bezeichnungen für eine Gestose sind Prä­eklampsie und Schwangerschaftshochdruck.

Man unterscheidet zwischen einer Früh - und Spät­gestose.

Die Gestose ist mit 3 bis 5 % eine der häufigsten Schwangerschafterkrankungen. Sie kann ab der 20. Schwangerschaftswoche auftreten. Wich­tigste Hinweise auf eine Gestose sind ein hoher Blutdruck und eine Proteinurie.

Die Ursachen für Gestosen sind bis heute unge­klärt; verschiedene Risikofaktoren wie Überge­wicht, Mehrlingsschwangerschaft, familiäre Hy­pertonie, Diabetes und Alter sind beschrieben.

Nur bei Auftreten von mindestens zwei Sympto­men besteht Anlass zur Besorgnis. Durch den  gestörten mütterlichen Stoffwechsel kommt es bei dem Kind durch die ungenügend funktionie­rende Plazenta zu Mangelerscheinungen und bei der  Mutter zu Schwindela, Kopfschmerzen und Erbrechen - aber nicht umgekehrt. Krampfan­fälle, Bewusstlosigkeit und Tod sind in seltenen Fällen beschrieben.

Bei milden Formen genügt Ruhe, Entlastung und viel Schlaf als therapeutische Maßnahmen. In schweren Fällen muss die Schwangerschaft manchmal sogar vorzeitig durch einen Kaiser­schnitt beendet werden.

Beim so genannten HELLP-Syndrom ((H) he­molysis - Hämolyse (EL) elevated liver enzymes - erhöhte Leberenzyme (LP) low platelets - er­niedrigte Thrombozytenzahl) kommt es als Son­derform der Präeklampsie zur Hämolyse der Erythozyten, einer Schädigung der Leber und zu einer Thrombozytopenie.

Das HELLP-Syndrom  kann sich ohne die klassi­sche Symptome der Präeklampsie (Hyper­tonie und Proteinurie) manifestieren.

Bei fetaler Reife ist die rasche Schwanger­schaftsbeendigung die Methode der Wahl. Bei Thrombozyten <50/ml kann in Abhängigkeit von der subaqualen Blutungszeit oder vergleich­baren Tests die Gabe von Thrombozytenkon­zentraten oder Gefrierplasma erwogen werden.

Zur Abgrenzung anderer hypertonischer Erkran­kungen in der Schwangerschaft von einer Schwan­gerschaftgestose kann jetzt die Bestim­mung zweier Substanzen, die von der Plazenta gebildet und ins mütterliche Blut ausgeschüttet werden, herangezogen werden:

 „PIGF“ (Placental Growth Factor) und „sFlt-1“ (soluble Fms-like tyrosine kinase), auch "VEGF-Rezeptor-1". PIGF  hat die Aufgabe, die Bildung von Blutgefäßen in der Plazenta zu begünsti­gen, sFlt-1  dagegen unterdrückt deren Bildung.

Gewöhnlich steigt im Verlauf einer Schwanger­schaft die Konzentration des der Bildung von Blutgefäßen begünstigenden Proteins PIGF (Mes­sung in pg/ml) während der ersten bei­den Schwangerschaftsdrittel stetig an, um dann im letzten Drittel abzufallen. Dagegen bleibt die Konzentration des die Blutgefäßbildung unter­drückenden Faktors sFlt-1 (Messung in pg/ml) zunächst konstant und erhöht sich erst zum Ende der Schwangerschaft. Bei Frauen, die an Prä­eklampsie erkrankt sind, ist der PIGF-Wert er­niedrigt und der sFlt-1-Wert deutlich erhöht. Da­bei ergibt die sFlt-1/PlGF-Quotientenbildung eine bessere Vorhersagewahrscheinlichkeit für eine Präeklampsie als die jeweilige Bewertung der Biomarker für sich alleine. Bei pathologi­schen sFlt-1/PlGF-Quotienten (cut-off 85) erfolgt eine intensive Überwachung von Mutter und Kind.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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