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Lexikon zum Laborbefund

Isoelektrische Fokussierung

Die isoelektrische Fokussierung (IFE) dient dem Nachweis von oligoklonale IgG in Liquor und Serum. Gleichschwere Moleküle lassen sich durch die IEF nach ihren unterschiedlichen La­dungszu­ständen bei unterschiedlichen pH- Werten tren­nen. Bei der IEF wird ein pH- Gradient aufge­baut, in dem sich die Proteine bis zum Erreichen des pH-Werts, der ihrem isoelektrischen Punkt entspricht, bewegen. An diesem Punkt ist die Ladung des Proteins praktisch gleich null und das Protein wandert nicht weiter. Durch Ver­wendung von Agarose als Trägermaterial wird im Anschluss an die Trennung eine Immunfixie­rung im Gel mit spezifischen Anti-IgG- Antise­rum möglich. Die isoelektri­sche Fokussierung um­fasst im­mer den Vergleich der Elektrophe­rogramme von Liquor und ver­dünntem Se­rum. Dies erfordert die Quanti­fizierung der IgG-Kon­zentrationen im Se­rum und Li­quor. Die beiden Proben wer­den exakt auf die selbe IgG-Konzent­ration von 20 mg/l eingestellt.

- Liquor und Serum müssen zur gleichen Zeit vom Patienten abgenommen werden

Für die Interpretation des Befundes wer­den auch die quantitativen Ergebnisse von Albumin und IgG im Serum und Liquor, die Berechnung der entsprechenden Quotienten so­wie der Delpech-In­dex mit einbezogen. Dabei ist zu beachten, dass eine intrathekale Immunglobulinsynthese über den Nachweis oligoklonaler Banden empfindlicher als das Reiberschema ist, das auf statistischen Daten mit entsprechend biologischer Streuung beruht.

Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Sebia

Eine intrathekale IgG-Syn­these innerhalb des ZNS wird durch mindestens 3 Banden in der CSF-Spur ohne korrespondierende Banden in der Serum-Spur (bei Spur 3, 4, 7 und 9) an­ge­zeigt. Dieser Befund ist ty­pisch bei Patien­ten mit MS-Patienten, ist aber auch bei anderen ent­zündlichen Prozessen im ZNS zu beobachten (z.B. Parästhesien, Facialisparese, Trigeminus­neu­ralgie, Hörsturz, Sarkoidose, Sjögren-Syn­drom, Kollagenosen (nach Häufigkeit)). Fin­det man identische oligoklonale Banden in Liquor und Serum, spricht dies für eine eher sys­temische Immunantwort und gegen einen loka­len  ZNS-Prozess. Identische, eher un­ge­wöhn­lich lokalisierte Banden in Liquor und Se­rum sind ein zufälliger Nebenbefund und finden sich bei monoklonalen Gammopathien.

Indikation für die Durchführung einer isoelektri­schen Focussierung sind sind alle Entzündungs­krankheiten des ZNS wie z. B. Multiple Skle­rose, Neuroborreliose, Neu­ro­syphilis und Infekti­onen mit Ver­dacht auf eine intrathekale IgG-Syn­these inner­halb des ZNS.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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