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Lexikon zum Laborbefund

Beta-Trace-Protein

Beta-Trace-Protein ist ein neuer Labor­para­meter zur Differentialdiagnose einer  Liquor­fistel. Ge­bil­det wird es vorwiegend im ZNS in den Lepto­meningen sowie in geringerem Ausmaß auch im Plexus choroidei und der Oligo­dendro­glia.. Au­ßer im Liquor kann Beta-Trace-Protein in gerin­gen Mengen unter an­derem auch in anderen Kör­perflüssig­keiten wie Serum oder Urin nachge­wiesen werden.

Auf Grund der ho­hen physiologischen Konzen­trations­unter­schie­­de zwischen Liquor und an­de­ren Körper ist Beta-Trace-Protein für die diagnostische Ab­klärung ei­ner Li­quorrhoe und zur Differen­zierung zwi­schen Nasensekret und Liquor be­son­ders ge­eignet.

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunk­tion konnten sowohl im Serum und anderen Se­kreten leicht erhöhte Beta-Trace-Protein-Kon­zentrationen festgestellt werden. Bei bakte­riellen Meningitiden wurden in der akuten Phase im Liquor niedrigere Beta-Trace-Protein-Konzen­trationen beobachtet, sodass in solchen Fällen die Bestimmung von Beta-Trace-Protein nicht immer sicher diagnostisch verwertbar ist.

Die Untersuchung erfolgt nephelometrisch und ist daher auch automatisierbar.

Normbereich: unter 1,4 mg/l im Serum, über 11,0 mg/l im Liquor, unter 0.25 mg/l im Na­sen­sekret

Interpretation der Ergebnisse

Häufigste Indikation zur Bestimmung von Beta-Trace-Protein ist die Differenzierung zwi­schen Nasensekret und Liquor bei Verdacht auf Li­quorrhoe. Häufig kommen jedoch auch mit Blut vermischte Materialien zur Analyse, die eine In­ter­pretation schwieriger machen.

Bei der Anforderung für Beta-Trace-Protein aus Sekretproben sollte immer gleichzeitig ein Se­rum­röhrchen eingesendet werden. Zur Beur­tei­lung sollte die individuelle Serumkonzentra­tion von Beta-Trace-Protein herangezogen wer­den, da ein Wert signifikant oberhalb der Se­rumkon­zentration auf eine Rhinoliquorrhoe hinweist.

Unterhalb einer Beta-Trace-Proteinkon­zen­tra­tion im Nasensekret von 0,25 mg/l ist eine Li­quorbeimengung unwahrscheinlich. Sobald aber eine sekretorische Komponente hinzu­kommt (bei­spielsweise bei Zustand nach Nasen-OP oder Na­senbluten), besteht eine Kontamination mit Be­ta-Trace-Protein aus dem Serum.

Da Beta-Trace-Protein im Serum deutlich höher kon­zentriert ist als im Nasensekret, kann eine si­chere Liquor-Beimengung erst diagnostiziert wer­den, sobald die Beta-Trace-Protein-Konzen­tration in der Nasensekretprobe signifikant über der Beta-Trace-Protein-Konzentration im Pa­tien­tense­rum liegt. Im Bereich einer Beta-Trace-Pro­­tein­­konzentration von 0,25-1,0 mg/l ist eine Li­quor­kontamination nicht sicher auszu­schlie­ßen, während oberhalb von 1,0 mg/l Beta-Trace-Pro­tein­­kon­zen­tration von einer Liquor­bei­men­gung auszugehen ist.

Generell sollte bei entsprechendem klinischem Verdacht und fehlendem Nachweis von Beta-Trace-Protein in der Sekretprobe eine wieder­hol­te Bestimmung innerhalb weniger Tage erfolgen, da in Einzelfällen die Liquorrhoe temporär auf­tritt.

 


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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