Lexikon zu Ihrem Laborbefund

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Lexikon zum Laborbefund

Synovial-Analysen 

Gelenkpunktionen mit anschließender Synovia­lanalyse sind bei unklaren mit Gelenkerguss ein­hergehen­den Arthropathien indiziert. Aussehen, Zellzahl und Viskosität des Punktats geben erste Hinweise auf die Ursache des Ergusses.

Eine Untersuchung auf Zellen und Kristalle so­wie weitere klinisch-chemischen Bestimmungen sind sinnvoll zur Differenzierung eines entzünd­lichen Ergusses von einem sog. Reizer­guss so­wie zur ätiologischen Einordnung eines Ergus­ses.

Untersuchungsmaterial

Optimal ist die Abnahme von 3 bis 5 ml Punktat, aufgeteilt in drei sterile Röhrchen:

- als Antikoagulanz für die Zellzählung und Zy­to­zentrifugenausstrich sollte ein EDTA- oder Na­­­­trium­he­parinatröhrchen verwendet werden

- eine native Probe ohne Zusatz zum Nachweis von Kristallen (Uraten, Calciumphosphat­kris­tallen), eines Sediments oder klinisch-che­mi­scher Bestimmungen (Protein, Glucose)

- ein steriles Röhrchen für die bakteriologische Untersuchung

Untersuchung

Normbereich

 Bewertung

Aussehen

klar

Gesunde Synovialflüssigkeit ist klar. Bei bakteriellen Gelenk­entzündungen ist die Synovialflüssigkeit mehr trüb und gelb­lich. Bei Gelenktraumata, nicht optimal eingestellter Antikoa­gulantientherapie sowie Hämophilie kann zu blutiger Gelenk­flüssigkeit kommen.

Viskosität

mit einer Ka­nü­le fadenzie­hend län­ger als 3 cm

Die Viskosität der Gelenkflüssigkei ist abhängig von der Kon­zentration an Hyaluronsäure; bei Entzündungen nimmt der Grad der Viskosität ab.

Leukozyten

 Granulozyten

50 bis 200/µl    unter 25%

nicht-entzündliche Gelenksergüsse haben Zellzahlen bis zu 2.000 Zellen/µl, während entzündliche Gelenkser­krankungen mit Zellzahlen von 2.000–30.000 Zellen, in seltenen Fällen auch bis 100.000 Zellen/µl einhergehen.

 2.000  bis 10.000 gering entzündlich

10.000 bis  20.000 mäßig entzündlich

20.000 bis 100.000 hoch entzündlich

Sediment

  Leukozyten

  Ragozyten

  Kristalle

 

  Erythrozyten

keine

keine

keine

keine

mononukleäre Zellen überwiegen gewöhnlich

Als Ragozyten werden Leukozyten mit zytoplasmati­schen Ein­schlüssen bezeichnet; sie finden sich gehäuft bei entzündlichen Gelenkerkrankungen

Urate: intrazelluläres Vorkommen in Makrophagen be­weist den akuten Gichtanfall Calciumphosphat-, Calciumpyrophosphat-Kristalle: Cal­cium­kristall-assoziierte Störungen, sog. Pseudogicht

Hämorrhagische Blutbeimengungen nach Traumen oder Ge­lenkfremdkörpern

ANA

negativ

nur relevant, wenn im Plasma negativ, diagnostischer Wert fraglich

Protein

1,0 bis 3,0 g/dl

erhöht sich mit zunehmender Entzündungsaktivi­tät

Glucose

50 - 105 mg/dl

vermindert bei infektiösen Arthritiden (< 20 mg/dl)

Harnsäure

bis 7,0 mg/dl

zusammen mit Uraten deutlicher Hinweis für einen Gicht­anfall.

Laktat

bis 20 mg/dl

Zunahme bei lokaler Entzündungsaktivität

LDH

bis 200 U/l

eher erhöht bei entzündlichen, normal bis vermindert bei nicht­entzündlichen Gelenkerkrankungen

Rheumafaktor

bis 20 IU/ml

hat nur diagostischen Aussagewert, wenn im Plasma ne­gativ

C3, C4-Komple­ment

siehe Befund

vermindert Werte im Vergleich zur Serumkonzentration bei ca. der Hälfte der Patienten mit chronischen Poly­arthritis und kris­tallinduzierten Arthritiden

Immunglobuline

ca. 50 % der Se­rumwerte

IgG und IgM sind bei entzündlichen Gelekserkrankun­gen er­höht, IgE-Erhöhungen finden sich bei der chroni­schen Poly­arthitis

Erreger + Resis­tenz  (E+R)

steril

bakterielle Untersuchungen bei Verdacht auf  Infektio­nen, spe­zielle Nachweise sind erforderlich bei Borrelien, Chlamydien, Neisserien und Viren.

Typische Laborbefunde in der Synovialflüssigkeit bei ausgesuchten Erkrankungen

Gicht

mikroskopischer Nachweis von Uratkristallen (Sensitivität ca 90 %), Leukozyten >5.000/µl, überwiegend Granulozyten, der Proteingehalt ist erhöht, die Viskosi­tät gering

septische Arthritis

kultureller Bakteriennachweis, Leukozyten >50.000/µl, über 90 % Gra­nulo­zyten, der Proteingehalt ist erhöht, die Viskosität gering

Chondrocalcinose, Calciumkristall-asso­ziierte Störungen

mikroskopischer Nachweis von Calciumpyrophosphat- und Calcium­phosphat­kristallen schwierig, Leukozyten >5.000/µl, überwiegend Gra­nulozyten, der Proteingehalt ist erhöht, die Viskosität gering

Gonokokkenarthitis

Leukozyten 10 bis 10.000/µl, Gonokokken mikroskopisch im Gramprä­parat, kulturelle Anzucht zu ca. 50 % möglich, PCR positiv, der Protein­gehalt ist er­höht, die Viskosität gering

Borrelien-Arthritis

>25.000 Leukozyten/µl, vorwiegend Granulozyten, Borrelien-PCR posi­tiv, der Proteingehalt ist erhöht, die Viskosität gering

Virale Arthritis

Virusnachweis per PCR möglich

reaktive Arthritis

kein kultureller Bakteriennachweis, Leukozyten 500 - 20.000/µl, anfangs Gra­nulozyten, später Lymphozyten

Arthrose

Leukozyten <2.000/µl,  über 75 % Lymphozyten

rheumatoide Arthritis

Rheumafaktor positiv,  Leukozyten bis 100.000/µl und höher, überwie­gend Gra­nulozyten, der Proteingehalt ist erhöht, die Viskosität gering


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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