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Lexikon zum Laborbefund

Speichelmessungen

Täglich produziert der Mensch ca. 1,5 bis 2 Liter Speichel. Die Messung bestimmter Parameter im Speichel  hat in bestimmten Randbereichen der Medizin zunehmend Interesse gefunden.  Der Grund hierfür ist neben der nicht-invasiven und damit für den Patienten angenehmen Proben­nahme das durch den Speichelfluss bedingte sehr schnelle Ansprechen der Spiegel verschiedener Indika­tormoleküle auf physiologische Ver­änderungen. Dadurch können umwelt­bedingte Effekte, z. B. Stress, auf den Patienten, aber auch der Nachweis von Drogen, direkt erfasst werden.

Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Zahn­medizin, wobei hier die Probennahme eine be­sonderen Sorgfalt benötigt.

Zur Gewinnung von Speichelproben dienen spe­zielle Speichelsammelröhr­chen (Salivette Sarstedt) oder Filterpapier.  Mit solchen Sys­temen können einfach genügende Mengen an Speichel für labor­chemische Analysen gewon­nen werden.

Für folgende Untersuchungen sind Speichel­pro­ben grundsätzlich geeignet:

Immunglobulin A (IgA)

Physiologische Funktion von IgA als sekre­to­ri­schem Antikörper ist die Inaktivierung von Krank­­heitserregern in der Mundhöhle. Damit ist IgA ein Marker für den Immunstatus in der Mundhöhle.

Cortisol

Als physiologisches „Stress-Hormon“ hat es ei­ne entzündungshemmende und immun­sup­pressive Wirkung. Speichelcortisol ist an kein Trans­port­protein gebunden und korreliert git mit dem freien Cortisol im Serum, welches nur mit auf­wendigen Methoden bestimmbar ist.

α-Amylase

Die physiologische Funktion der Amylse ist der enzymati­sche Abbau von Stärke in der Nahrung. Niedrige Amylase-Spiegel im Spei­chel sollen auf  „Stress” hinweisen. Hohe En­zym­kon­zentra­tionen weisen auf eine Parotitis hin.

 

Phenytoin/Antikonvulsiva

Die Konzentration von Phenytoin/Anti­kon­vulsiva im Speichel korreliert sehr gut mit seiner freien Serum­konzentration. Daher wird diese Methode in speziellen pädiatrischen Fällen, wo die Blutentnahme problematisch ist, eingesetzt.

 

Drogen

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit eines Dro­genabusus von Barbituraten,  Benzodia­zepinen, Cannabinoiden, Cocain, Opiaten, Am­phe­taminen und Äthanol, bringt aber kei­nen diagnos­tischen Gewinn gegenüber Urin­unter­suchungen.

Kaugummitest

Zur Erkennung eines toxischen Abriebs aus Amalgamfüllungen dient der sogenannte Kau­gummitest wobei die Festlegung von Grenz­werten z. T. problematisch ist.

 

aMMP-8, Entzündungsmarker und Indikator der Gewebedestruktion

In der Pathogenese der Parodontitis sind die Bakterien sollen Bakterien des des dentalen Biofilms eine wichtige Rolle spielen. Diese werden im Rahmen der Immunreaktion von Ge­webemakrophagen phagozytiert und rufen eine Ent­zündungsreaktion hervor. Es kommt zur Aus­schüttung von Interleukin-1 und Tu­mor­ne­kro­sefaktor-α in den Makrophagen sowie des En­zyms Metallomatrixproteinase 8 (MMP-8) in den Granulozyten. Die aktive Form von MMP-8  zerstört das Kollage­na­se­netzwerk des Parodonts. MMP-8 ist somit mitverantwortlich für den Abbau des Paro­donts.

Nachweis von Parodontitis-Markerkeimen

Klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich in der Tiefe von Zahntaschen ent­wickeln­de fakultative und obligate Anae­ro­bier eng mit der Ausbildung einer progre­dien­ten Parodon­titis vergesellschaftet sind. Sie wer­den deshalb als Leitkeime für eine Para­dontitis be­zei­chnet. Zur Probennahmen wer­den Papier­spitzen in die relevanten Taschen­bereiche möglichst bis zum Fundus eingeführt und dort für ca. 10 Sekunden Sekunden belas­sen. Die Identi­fizierung der Parodontitis-Leit­keime von den Papierspitzen erfolgt mittels PCR.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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