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Lexikon zum Laborbefund

Gammahydroxybutyrat (GHB)

Eine Vielzahl von Substanzen, u.a. Barbiturate und Benzodiazepine, vor allem aber die „Partydroge“ Gammahydroxybutyrat (GHB), bekannt auch als Liquid Ecstasy, werden als sog. „K.O.-Tropfen“ verwendet. Seit ca. 20 Jahren gibt es Hinweise auf eine missbräuchliche Anwendung von GHB sowie von Gammabutyrolacton (GBL) und 1,4-Butandiol (BDO), die im Körper zu GHB umgewandelt wird.

GHB ähnelt chemisch dem erregungshemmenden Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und entsteht auch auf natürlichen Wegen im Stoffwechsel. An den Rezeptoren für GABA binden auch Benzodiazepine und die Nicht-Benzodiazepin-Agonisten.

Synthetisches GHB ist rezeptpflichtig und damit schwer erhältlich. GBL („Renewtriet“, „Blue ni­tro“, „Gamma G“) wird jedoch als frei erhältlicher Grundstoff in der chemischen Industrie, z. B. als Nagellackentferner oder Felgenreiniger, verwen­det. Der reine Besitz oder Verkauf von GBL ist daher völlig unproblematisch.

1,4-Butandiol, kurz BDO („Borametz“, „Thunder Nectar“), wird im Magen ebenfalls in GHB umgewandelt; BDO wird eigentlich zur Plastikherstellung eingesetzt und ist z. B. im Versandhan­del frei erhältlich.

GHB ist schwer zu dosieren. GHB wirkt generell dämpfend, die Effekte setzen innerhalb von einer halben Stunde ein. In geringeren Konzentrationen wirkt GHB entspannend und fördert das individuelle Kontaktbedürfnis. In höheren Dosierungen wirkt GHB dann meist berauschend und kann bis zum Koma mit Atemstillstand, Blut­druckabfall, Unterkühlung, krampfartigen An­fällen und Stürzen führen. Abhängig von der zugefügten Menge kann GHB individuell eher eupho­risieren, anregen, einschläfern, betäuben oder willenlos machen. 

GHB sowie GBL und BDO als Vorläufersubstanzen werden oft als Vergewaltigungsdrogen benutzt, um vorwiegend weiblichen Opfer gefügig zu machen, sie zu missbrauchen oder sie auszurauben. GHB-Tropfen sind farb- und geruchlos und haben lediglich einen leicht salzig-seifigen Geschmack, GBL- und BDO-Tropfen haben einen sauren, seifigen Geschmack und klebstoffähnlichen Geruch. Sie können meist unbemerkt in die häufig alkoholischen Getränke der potenziellen Opfers gemischt werden. GHB macht willen-  und hilflos, führt zu Kontroll- und Realitätsverlust, kann zum kompletten Erinnerungsverlust führen und ist nur wenige Stunden später im Körper noch nachweisbar.

Besteht der Verdacht, dass man Opfer von „K.O.-Tropfen“ geworden ist, sollte möglichst innerhalb von 12 Stunden eine Blut- und Urinprobe gewonnen werden. Potentielle Opfer sollten sich so schnell wie möglich in ärztliche Behandlung begeben, um unter anderem Blut- und Urinproben zum Nachweis von GHB sicherstellen zu lassen.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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