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Lexikon zum Laborbefund

Therapeutisches Drug Monitoring

Als „Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)“ wird die Bestimmung der Blutspiegel von Medi­kamenten und ggf. auch seiner Metabolite für die Optimierung der Pharmakotherapie bezeichnet. Der Blutspiegel eines Medikaments folgt den Ge­setzen der Pharmakokinetik, -dynamik und –ge­netik. Zweck des „Therapeutischen Drug Monito­rings“ ist die Kontrolle der Patienten-Compliance, die Sicherstellung der adäquaten Dosierung sowie das  Erkennen einer im toxischen Bereich liegen­den Dosierung.

Endogene Faktoren, die den individuellen Medi­kamentenspiegel beeinflussen, sind Resorptions­rate, Verteilungsvolumen des Medikaments im Körper, Geschwindigkeit der Verstoffwechselung, Ausscheidungsrate sowie mögliche Interaktionen mit anderen Medikamenten.

Exogenen Faktoren, die die Messergebnisse beein­flussen, sind das Zeitintervall seit der letzen Me­dikamenteneinnahme, die Dosis und Applikations­form des Medikaments sowie die ordnungsgemäße Abnahme und Lagerung der Probe.

Die Blutentnahme sollte möglichst im steady-state erfolgen, das nach Behandlung mit einer konstan­ten Dosis über ca. fünf Halbwertszeiten erreicht sein sollte. Bezüglich des Zeitpunkts der Abnahme unterscheidet man zwischen der maximal mögli­chen Serumkonzentration (Peakwert),ca. 1-5h nach der Einnahme, oder - direkt vor Einnahme der nächsten Dosis - der minimalen Serumkon­zentration (Talwert). Blutentnahmen zur gleich­zeitigen Messung der minimalen und maximalen Serumkonzentration sind bei solchen Arzneimit­teln, die einen engen therapeutischen Bereich und eine (Aminoglykoside, kurze Halbwertzeit Anti­arrhythmika, Theophyllin, antiretrovirale Wirk­stoffe u.a.) aufweisen, von besonderer  Bedeutung.

Messverfahren

Die Bestimmungsmethoden müssen müssen eine ausreichende Sensitivität haben, die Messergeb­nisse schnell vorliegen. Verwendet werden in der Re­gel immunologische (Enzym-Immunoassay, Mi­kro­partikel-Immunoassay) oder chroma­to­gra­phische (HPLC, GC) Verfahren.

Darreichungsform

Bei der intravenöses Gabe von Medikamenten muss die initiale Verteilungsphase bis zur Blutent­nahme abgewartet werden. Sie beträgt bei den meisten Medikamenten ein bis zwei, bei Digoxin und Digitoxin 6 bis 8 Stunden.

Medikamente

Empfohlen wird die Kontrolle des Blutspiegels bei folgenden Medikamentengruppen:

Analgetika wie Paracetamol oder Flurpirtin

Antiarrhythmika wie Amiodaron, Chinidin, Fle­cainid, Lidocain

Antibiotika, wie Aminoglykoside oder Vanco­my­cin

Antidepressiva wie Amitriptylin oder Clomipra­min

Antiepileptika, insbesondere Carbamazepin, Dia­zepam, Ethosuximid, Lamotrigin, Oxcar­bazepin, Phenytoin, Primidon (Phenobarbitat), Sultiam, Valproinsäure

Chemotherapeutika, insbesondere Metho­tre­xat, 5-Fluorouracil (Patienten mit DPD-Man­gel)

Herzglykoside wie Digitoxin und Digoxin

Immunsuppressiva wie Cyclosporin A, Sirolimus oder Tacrolimus

Neuroleptika wie Clozapin oder Haloperidol

Spasmolytika wie Theophyllin

Antiretrovirale Wirkstoffe wie Efavirenz, Etra­virin, Nevirapin, Atazanavir, Darunavir, Fo­samprenavir (Amprenavir), Indinavir, Lopi­navir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir und Tipranavir

 

Indikationen für TDM sind:

Verdacht auf Nichteinnahme der verordneten Me­dikamente (Compliance-Kontrolle)

Kein oder ungenügendes Ansprechen trotz kli­nisch üblicher Dosis; (Resistenzentwicklung bei Antibiotika bedenken)

Ausgeprägte Nebenwirkungen trotz klinisch übli­cher Dosis

Kombinationsbehandlungen mit Medikamen­ten mit bekanntem Interaktions­potential

Rezidiv der Erkrankung unter Erhaltungsdosis

Bekannte pharmakogenetische Besonderheiten

Dialysepatienten

Kinder, Jugendliche, Schwangere, Alterspatienten

Forensische Indikationen

Halbwertszeiten beziehen sich vornehmlich auf die Monotherapie. Bei Komedikation mit Enzy­minduktoren sind bei vielen Medikamen­ten deut­lich kürzere Halbwertszeiten, bei Ko­me­dika­tion mit Enzyminhibitoren deutlich verlängerte HWZ zu erwarten.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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