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Lexikon zum Laborbefund

Medikamenteninteraktionen 

Die bessere Verträglichkeit einer gewählten Me­dikation be­deutet für viele Patienten eine höhere Lebensqualität und eine deutliche Einsparung bei den Gesundheitskosten. Belegt wird diese Ein­schätzung durch über 100.000 Patienten al­lein in Deutschland, die unter schweren Neben­wirkun­gen bis hin zur vollständigen Ar­beitsun­fähigkeit leiden. Die Pharmakokinetik aller Me­di­kamente ist un­terteilt in Resorption, Aus­scheidung Verteilung und Metabolismus.

Während die Resorption durch Stoffe wie z.B. Atropin, Morphin über die Hemmung der Ma­gen­entleerung beeinflusst wird, kann auf der Ge­genseite die Magenentleerung durch Meto­clo­pramid (Paspertin) beschleunigt werden. Ebenso kann es durch eine Veränderung des pH-Wertes der Magenflüssig­keit durch Rezeptor­anta­go­nisten wie Ranitidin oder Proto­nen­pum­pen­hemmer wie Omeprazol zu einer Ver­änderung der Resorption kommen.

Die Ausscheidung der meisten Medikamente ist häufig von der individuellen Nierem- und Leber­funktion abhängig.

Änderungen in der Verteilung der Wirkstoffe über eine Einflussnahme auf die Proteinbindung spielen nur eine eher untergeordnete Rolle. Der größte Einfluß der Medikamentenwechsel­wirkungen tritt auf im Rahmen des hepatischen Metabolismus. Besonders umfangreiche Unter­suchungen hierzu fanden dabei bei den antiretro­viralen Wirkstoffen und deren Metabolisierung­s­einflußnahme über das hepatische Cytochrom-P450-System statt. Alle Antiretrovirals - ob NNRTI, PI, CCR5-Antagonist oder Integrase-In­hibitor - werden in der Leber metabolisiert über die Cytochrom-Isoenzyme  1A2, 2B6, 2C19, 2C9, 2D6 und CYP 3A4.

Dabei spielen zwei wichtige Mechanismen eine große Rolle. Während die Induktion des Cytoch­rom-Enzym-Systems den Abbau der betreffen­den Medikamente beschleunigt, bringt eine En­zym-Hemmung (Inhibition) normalerweise einen Anstieg bzw. einen verzögerten Abbau des Arz­neistoffs. So wird in der bekannten Dosierung des Präparats Kalatra die enzyminhibierende Wirkung des Ritonavirs am Cytochrom 3A4 be­nutzt, um längere und höhere Wirkspiegel des Lopinavirs im Sinne einer effizienteren Therapie zu erzielen.

In Anbetracht der unzähligen Medikamenten-Interaktionen können nur noch rechnerunter­stütz­te Systeme in Internetportalen einigermaßen die Übersicht behalten.

So ergeben sich insofern Therapieempfehlungen aus die­sen Wechselwirkungen, dass man  auf­grund der sich neutralisierenden Cytochrom­metabolismen kein Efa­virenz oder Nevirapin aus der NNRTI-Gruppe mit Atazanavir/Ritonavir als Komedikation gibt.

Innerhalb der PI-Gruppe ist die Komedikation von Fosamprenavir mit Lopinavir/Ritonavir bzw. Saquinavir ebenso obsolet wie die Kombi­nation von Darunavir mit Lopinavir/Ritonavir oder Saquinavir.

Die gegenseitigen Cytochrom-Enzymwechsel­wirkungen beschränken sich natürlich nicht nur auf antiretrovirale Wirkstoffe, sondern treten bei fast allen Medikamenten auf; nicht zu vergessen die Einflüsse von Coffein, Nicotin Ananas- und Grapefruitsaft.

Als wichtigste summarische Medikamentenin­teraktionen sind die Gruppe der Antazida /PPI´s (durch die pH-Verschiebung erfolgt eine deutli­che Resorptionsverminderung), HMG Co-A-Re­ductase Inhibitoren (Statine), Phosphodiesterase inhibitoren (z.B. Sildenafil, Tadalafil), Antimy­kotika.

So werden aus der Gruppe der Conazole Keto­conazol, Itraconazol, Posaconazol und Voricona­zol über deutliche Interaktionen beim CYP-3A-System berichtet.

Neben den häufig eingesetzten Antiarrhytmika Amiodaron, Flecainid und Lidocain weiß man von häufigen Interaktionen bei den Calciuman­tagonisten Amlodipin, Diltiazem, Nifedipin und Verapamil, die ebenfalls hauptsächlich über CYP3A metabolisiert werden.

Während die Beta-Rezeptorenblocker über CYP2D- Subtypen hepatisch metabolisiert wer­den, sind es besonders die Präparate aus der Gruppe der Alpha1-Rezeptorenblocker, z.B. Alfuzosin, Do­xazosin, Tamsulosin und Tera­zosin, die wie­derum den CYP3A-Weg beschrei­ten.

Bei den Tuberkulosepräparaten kennt man das In­­ter­aktionspotential über CYP3A bei Rifampi­cin und dem Makrolidantibiotikum Clarithromy­cin. Aus der großen Gruppe der Psychopharmaka sind die Interaktionen bei Quetiapin, Paliperidon (Risperidon-Metabolit) und Paroxetin ebenso be­kannt wie die enzyminduzierende Effekte von den Antikonvulsiva Phenobarbital und Car­bamazepin bzw. Oxcarbazepin. Weiterhin sind die Benzodiazepine aufzuführen, die mit Alpra­zo­lam, Clonazepam, Diazepam, Midazolam und Triazolam die Metabolisierung beeinflussen.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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