Lexikon zu Ihrem Laborbefund

Mit onlinebefunde können Laboraufträge jetzt einfach und schnell elektronisch erfasst werden – das System spart Ihnen Zeit und Ressourcen.

Lexikon zum Laborbefund

Maßgeschneiderte Arzneimitteltherapie

In die Auswahl einer medikamentösen Therapie wird die indivi­duelle Veranlagung des einzelnen Patienten nur selten einbe­zogen. Daher sind häu­fig ernste Nebenwirkungen von Arzneien zu be­obachten.

Die bessere Verträglichkeit einer gewählten Me­dikation be­deutet für viele Patienten eine höhere Lebensqualität und eine deutliche Einsparung bei den Gesundheitskosten. Belegt wird diese Ein­schätzung durch über 100.000 Patienten allein in Deutschland, die unter schweren Nebenwirkun­gen bis hin zur vollständigen Ar­beitsun­fähigkeit leiden.

Eine mögliche Lösung für diese Probleme kann die Pharmako­genetik bieten. Die Pharmakoge­netik befasst sich mit der Zu­sammenführung der Erkenntnisse von Pharma­kologie und Ge­netik. Untersucht wird die genetische Basis, die der Wirksam­keit, Verträglichkeit und Toxizität von Medikamenten für ein­zelne Patienten zugrunde liegt.

Eine solche „maßgeschneiderte Therapie" basiert auf der Analyse des genetischen Profils, das auch die Aktivität der Stoffwechselenzyme, z. B. Cy­tochrom P450, festlegt. Im Ge­samtpool von ge­netischen Variationen gibt es viele, die einen Einfluss auf Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten haben. Durch die Auswertung entsprechender Genabschnitte und dem Erken­nen individueller genetischen Unterschiede kön­nen für den einzelnen Patienten maßgeschneidert Aussagen zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und Toxizität der verschriebe­nen Medikamente ge­macht sowie optimierte Thera­pieempfeh­lungen gegeben werden.

Auch wenn nicht ausschließlich die Genetik für das Anspre­chen auf ein Medikament verant­wortlich ist, sind jedoch die Re­sultate eines pharmakogenetischen Testes ein Leben lang gül­tig. Der Test gibt Hinweise, warum ein Patient nicht auf eine Stan­dardtherapie anspricht oder kann zumindest einige der in Frage kommende Fak­toren ausschlie­ßen. Das gibt dem behan­delnden Arzt mehr Infor­mationen für die Therapie-Pla­nung.

Neben dem Cytochrom P450-Status gilt dies auch vor einer geplanten 5-Flu­orou­racil (5-FU)-Therapie, da hier ein uner­kann­nter homozygoter DPD-Genotyp zu letalen Neben­wirkun­gen füh­ren kann. Auch im Rah­men einer medika­mentösen Langzeitbe­handlung einer HCV-In­fektion, von Tumorer­kran­kungen (Iri­notecan), Hypertonie, Autoim­munerkrankungen u.a. kann die Pharmakogenetik wichtige Erkenntnisse liefern.   


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


Suche