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Lexikon zum Laborbefund

Lymphopoese, Granulozytopoese, Throm­bo­poese

Alle Zellen leiten sich von einer gemeinsa­men pluripotenten Stammzelle ab. Ihr Aussehen äh­nelt der eines kleinen Lym­phozyten. Diese Stammzelle wiederum differenziert sich in eine lymphoide Stammzelle und eine myeloide Stamm­zelle.

Aus der lymphoiden Stammzelle entwi­ckeln sich, abhängig, ob sie in Thymus oder Kno­chenmark geprägt werden, die T- und B-Lym­phoblasten, die dann weiter zu T-, B- und NK-Lymphozyten ausreifen.

Lymphozyten werden im Knochenmark ab den 5. Monat der Embryonalbildung produziert und wandern von dort in die lymphati­schen Organe wie Lymphknoten, Milz, Thymus und lymphati­sche Strukturen des Darmes. Die Gesamtzahl der

Lymphozy­ten beträgt ca. 1012 Zellen, das ent­spricht etwa 1 kg Gewebe.

Die T-Lymphozyten reifen im Thymus aus und sind für die zellgebundene Immunität verant­wortlich, haben darüber hinaus auch helfende und unterdrückende Auf­gaben im Rahmen der antikörperabhängi­gen Im­munreaktionen.

Die B-Lymphozyten durchlaufen im Kno­chen­mark mehrere Reifungsstufen. Sie ha­ben die Fä­higkeit, Immunglobuline zu bil­den und an die Umgebung abzugeben.

Alle übrigen Zellen entwickeln sich aus der mye­loischen Stammzelle. In der Throm­bozyto­poese entwickelt sich aus dem Me­gakary­oblasten der Megakaryocyt und aus ihm durch Plas­maabschnürungen dann die Thrombozyten. Im Rahmen der Gerin­nung wird dies später noch be­schrieben. Gleichfalls aus der myeloischen Stamm­zelle entwickeln sich die roten Vorläufer­zellen.

Über Proerythroblasten und Makroblasten reifen diese zum Nor­moblasten, die wiederum in ba­so-

Funktionen der Granulozyten und Monozyten

phile, polychromatische und oxyphile Nor­mo­blasten unterteilt werden. Alle Nor­moblasten ha­ben noch einen Kern im Ge­gensatz zu den kern­losen Retikulozyten und Erythrozyten. Reti­kulo­zyten enthalten noch Reste von RNA, die sich in Spezial­färbungen an­färben lässt. Die Re­tikulozy­ten entsprechen frisch aus dem Kno­chenmark aus­geschwemmten jungen Erythrozy­ten.

Die Vorläuferzellen der Granulozytopoese sollte man für die Beurteilung leukämi­scher Blutbilder genau differenzieren kön­nen. Die Myeloblasten machen ca. 1-3 % der Knochenmarkszellen aus und sind ca. 15 µm groß. Der Myeloblast ist die un­reifste Zelle der Granulopoese und besitzt ei­nen großen, locker strukturierten Kern mit eini­gen blassen Nukleolen. Der Plas­masaum ist un­gleichmäßig schmal, blass­blau und als einzige Zelle ohne spezifi­sche Granulation. Durch Mi­tose entstehen dann zwei Promyelozyten.

Die Promyelozyten stellen mit 20-25 µm die größten Zellen der Granulozytenreihe dar. Der Kern ist groß, locker strukturiert und behält noch einige gut sichtbare Nukleolenbezirke. Das Zy­toplasma weist eine intensive Primärgranulation auf. Durch Zellteilung entsteht der Myelozyt.

Die Myelozyten sind ca. 18-20 µm große Zellen mit runden bis ovalen Kernen, die keine sichtba­ren Nukleolen-Bezirke mehr aufweisen. Das helle, leicht oxyphile Zytoplasma enthält je nach Reifungsgrad entweder eine feine neutrophile, eine blä­schenförmige eosinophile oder eine tief­blaue basophile Granulation. Die weitere mor­phologische Entwicklung zum Metamyelozyten oder Jugend­lichen vollzieht sich ohne zu­sätz­li­che Zellteilung.

Die Metamyelozyten sind 15-20 µm große Zel­len, deren Kern sich zu einem nierenförmigen Ge­bilde verdichtet hat, sonst aber keine sicht­ba­ren Veränderungen gegenüber den Myelozy­ten aufweisen.

Die beiden nachfolgenden Stufen der Granulo­zy­tenreihe werden ihrer Kernform entsprechend

Stab­­kernige (ohne Schnür­furchen) und Seg­ment­kernige (mit solchen Schnürfurchen) ge­nannt.

Sie sind im Ver­gleich zu den Jugendli­chen etwas ge­schrumpft, behalten aber ihre funktions­spe­zifi­sche neutrophile, eosinophile oder baso­phile Granulation bei.

Vorläuferzellen der Monozyten sind die Mo­no­blasten; in der Peripherie erscheinen sie nur bei ent­sprechenden Leukämiefor­men, die die mo­no­zytäre Reihe betreffen.

Monozyten

Neutrophile

Eosinophile

Basophile

Phagozytosezellen in Gewe­ben, Blut und in der Lymph­flüssig­keit, sie "präsentieren" Anti­gene, Immunantwort der Lym­phozyten

phagozytieren Bakte­rien, Viren und Pilze im  Blut 

Abwehrzellen gegen Pa­ra­siten, erhöht bei aller­gi­schen Reaktionen

(im Interstitium auch Mastzel­len genannt) Ab­wehrzellen gegen Pa­rasi­ten, Entzün­dungsre­aktion, verantwortlich für Juck­reizentstehung.

Normale „weiße“ Zellen im peripheren Blut

Neutrophile Granulozyten

Sie stellen mit 50 bis 70 Prozent der Leukozyten den größten Anteil der Blutleukozyten dar und haben im Ausstrich einen Durchmesser zwischen 9 und 12 µm. Bildungs­stätte und Reserve­spei­cher der Granulozyten ist das Knochenmark. Ca. fünf Prozent des Gesamt­bestandes an Granulo­zyten ist in der Blutbahn lokalisiert, nach etwa 6 bis 8 Stunden verlassen sie wieder die Blut­bahn. Außerhalb des Knochenmarks haben sie eine Überlebensdauer von vier bis fünf Tagen.

Sie reagieren auf chemotaktische Reize von Fremdkörpern wie Bakterien, wandern auf diese zu und leiten unter Freisetzung ihrer Enzyme die Phagozytose ein, dabei werden sie meist selbst zerstört. Eiter ist daher der sichtbare Ausdruck ei­ner An­sammlung absterbender neutrophilen Granulozyten. Ihre Zellreste werden im RHS ab­gebaut.

Auf Grund ihrer Kernstruktur werden neu­trophile Granulozyten in der mikroskopi­schen Differenzierung in Stabkernige und Seg­ment­ker­nige unterteilt. Die Ein­teilung erfolgt in den meisten Laboratorien nach folgendem Prin­zip, der sog. Drittel­regel:

Sobald der Kerndurchmesser an einer Stelle we­niger als 1/3 der breitesten Stelle beträgt, spricht man von segmentkernig. Stab­kernige Zellen sind jünger und nur selten nach­weisbar. Verschiebt sich die­ses Verhältnis zu Gunsten der Stabkerni­gen, so spricht man von einer Linksver­schie­bung, z. B. bei einem bakteri­ellen In­fekt. Neu­trophile mit mehr als vier Ein­schnürungen gel­ten als hypersegmentiert. Dies wird auch als Rechts­verschiebung be­zeich­net.

Nur ein Teil der im Blut befindlichen Zellen zir­kuliert, der übrige Teil haftet an den Gefäßen­dothelzellen und kann, bei­spielsweise unter Cor­tisoneinfluss, wieder in die Zirkulation kommen.

Aus diesem Grund können die Granulozyten­zahlen sehr stark schwanken.

Eosinophile

Die Eosinophile Granulozyten haben einen An­teil zwischen zwei bis vier Prozent der Leuko­zyten. Sie sind mit einem Durchmesser von 10 bis 15 µm etwas größer als die Neutro­philen und ent­halten in ihrem Zytoplasma große Granula, die sich mit dem Farbstoff Eosin rot anfärben las­sen.

In Abhängigkeit vom Glukokortoidspiegel, der in den Morgenstunden sein Maximum erreicht, sind die Eosinophilen morgens deutlich niedriger (bis zu 20 % gegenüber einem 24-Stunden-Mit­telwert) als in den Nachtstunden (bis zu 30 % mehr gegenüber einem 24-Stunden-Mittelwert).

Eosinophile Granulozyten phagozytieren Bak­terien und Gewebereste. Eosinophile gelten als An­tagonisten von Monozyten und basophilen Gra­nulozyten, da sie bei allergischen Reaktionen vermehrt auftreten und  den Abtransport von Histamin und Anti­gen- Antikörperkomple­xen vor­wiegend in Darm und Lunge besor­gen.

Basophile

Basophile Granulozyten sind die im Dif­ferential­blutbild kleinste Fraktion mit bis zu maximal drei Prozent und haben einen Durchmesser von 8 bis 11 µm. Die Blutbasophilen entsprechen den Ge­webe­mastzellen. Sie speichern Histamin, He­parin und das gefäßaktive Serotonin.

An ihrer Oberfläche befinden IgE-Rezeptoren für spezifische Antigene. Durch Andocken von Antigenen an diese Rezeptoren resultieren dann  allergische Reaktionen.

 

Monozyten

Die Monozyten haben im Differentialblut­bild ei­nen Anteil von 2 bis 8 %. Als amö­boid bewegli­che Makrophagen können sie sich an Grenz­flä­chen sehr flach ausbrei­ten. Daher scheint der Monozyt im Diffe­rentialblutbild als größte Zelle, obwohl sein Zellvolumen kleiner als das eines reifen Granulozyten ist.

Sie bleiben ca. zwei bis drei Tage im Blut­kreislauf und wandern dann in die um­ge­benden Gewebe, insbesondere Lymphkno­ten, Lunge, Leber, Milz und Knochenmark; dort  wer­den sie auch als Histiozyten bezeichnet.

Die Monozyten haben die Funktion, antige­nes Merk­mal zu phagozytieren und dann auf ihrer Zellmembran spezifisch HLA-kompatiblen, im­munkompetenten Zellen wie den Lymphozyten zu präsentie­ren.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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