Lexikon zu Ihrem Laborbefund

Mit onlinebefunde können Laboraufträge jetzt einfach und schnell elektronisch erfasst werden – das System spart Ihnen Zeit und Ressourcen.

Lexikon zum Laborbefund

Links-/Rechtsverschie­bung, Granulationen

Dieser Begriff nimmt auf die früher übliche Schreibart Bezug, die Reifungsreihe einer Zellli­nie von links nach rechts aufzutragen. In diesem Sinne bedeutet Linksverschie­bung eine Zu­nahme der unreifen, eine Rechtsverschiebung eine Ver­mehrung der reifen Zelltypen.

Eine Linksverschiebung bei einem bakteri­ellen In­fekt geht bis zu dem stabkernigen und jugend­lichen Granulozyten und tritt ent­spre­chend bei den Erkrankungen auf, die zu einer Leu­kozytose, bzw. Neutrophilie füh­ren.

Eine Rechtsverschiebung ist weniger be­deu­tungs­­voll und kann bei der perniziösen A­nä­mie und anderen Zellteilungsstörun­gen auf­treten.

Findet man bei einer großen Anzahl der reifen neutrophilien Granulozyten dichtge­lagerte, bläu­li­che Granula, so bezeichnet man dies als toxi­sche Granulation.

Ein derartiger Befund kann bei Infektions­erkran­kungen, Tumoren und Arzneimittel­allergien auf­treten.

Lymphozytose, Lymphozytopenie

Eine Lymphozytose findet sich – wie er­wähnt - in der Heilphase eines bakteriellen Infektes, bei Viruserkrankungen, bei Keuchhusten und eini­gen anderen bakteri­ellen Erkrankungen. Findet man bei einem Erwachsenen wiederholt eine ab­solute Lymphozytose, sollte man immer an eine chronisch lymphatische Leukämie denken.

Eine Lymphozytopenie kann insbesondere bei Kortikosteroid-Therapie und anderen Immun­suppressiva auftreten.

Exkurs:

Erkrankungen, die beide die Lymphozytenpo­pulation betrifft und durch Vi­ren hervorgerufen werden, sind das Pfeiffer’sche Drüsenfie­ber und die HIV-Infek­tion mit dem Endsta­dium AIDS.

Pfeiffer’sches Drüsenfieber

Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber wird auch als In­fektiöse Mononucleose oder Kissing-Disease be­zeichnet. Erreger ist das Ep­stein-Barr-Virus (EBV), es gehört zur Gruppe der Herpesviren. Das Virus be­fällt die B-Lymphozyten und da­durch kommt es im Verlauf der Erkrankung zu

einer Entzündung des lymphatischen Ge­webes im Rachenraum, eben einer An­gina, später dann zu generalisierten Lymphknotenschwellungen mit Milz- und Lebervergrößerung.

Labormäßig kommt es zu einer Leukozy­tose bis zu 30.000 Leukozyten pro µl Blut. Ursache hier­für ist eine absolute Lympho­zytose. Neben nor­malen Lymphozyten fin­det man im Differential­blutbild (s. später) auch Zellen, die wie Über­gangsformen zwi­schen Lymphozyten und Mo­nozyten aussehen und daher als monozytoide Lymphozyten, auch Virozyten bezeichnet wer­den. Es handelt sich dabei um unter Virus-Ein­fluss transformierte Lymphozy­ten, die aus den erkrankten lymphatischen Organen ausge­schwemmt werden. Sie werden im Differenzie­rungsschema ge­sondert von Lymphozyten und Monozyten gezählt.

Neben dem Nachweis dieser monozytoi­den Lymphozyten im Differentialblutbild ist noch ein serologischer Schnelltest zu er­wähnen, der Paul-Bunnell-Test. Er beruht darauf, dass er­krankte Patienten hete­rophile Antikörper haben, die Hammele­rythrozyten agglutinieren. Eine Thera­pie ist in der Regel nicht erforderlich. Ge­fähr­lichste Komplikation ist eine Milzruptur we­gen der entstehenden Milzvergröße­rung. Un­ter körperlicher Schonung klingen die Sym­ptome innerhalb von 2-3 Wochen ab.

 

HIV

Das HI-Virus befällt unter anderem CD4-Helfer-Lymphozyten und wird mit Hilfe der viruseige­nen reversen Transkriptase in die DNA der Zel­len eingebaut. Dadurch kommt es langfristig zu einer Zerstörung dieser Helfer-Zellen. Diese Lymphozyten sind aber für die Aktivierung der Immun­abwehr von ganz besonderer Bedeutung. Ein Verlust der CD4-Helfer-Zellen führt da­her langfristig zu einer erworbenen Im­munschwä­che, an deren Folgen die Pati­enten dann trotz Therapie versterben können.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


Suche