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Lexikon zum Laborbefund

Monoklonale Plasmazel­lerkran­kungen

Eine monoklonale Gammopathie, auch als Plas­mazell-Dyskrasie bezeichnet, ist eine Verände­rung der Proteine des Blutplas­mas, die mit einer krankhaften Vermeh­rung eines einzelnen Im­munglobulins ein­hergeht. Monoklonale Gam­mopathien entstehen durch die maligne Trans­formation einer im­munkom­petenten B-Zelle und ihrer an­schließenden mehr oder weniger unge­hemmten Vermehrung.

Monoklonale Gammopathien müssen nicht grund­sätzlich einen Krankheitswert haben, da sie mit steigenden Alter häufig beobachtet werden. Sie können aber auch Vorstufe einer malignen lym­phoproliferativen Erkrankung (Multiples Mye­lom, Morbus Waldenström, Non Hodgkin- Lym­phom) oder einer Amyloidose sein. So gilt eine mo­no­klonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) als gesicherte Präkanzerose für die Ent­­wicklung eines Multiplen Myeloms.

Folge einer solchen B-Zell-Ne­oplasie ist eine Durch­setzung des Knochenmarks mit aty­pi­schen Plasmazellen, wodurch die regu­lären immun­kompetenten Zellen immer weiter verdrängt werden.

Der pathologi­sche Plas­ma­zellklon produziert nun völlig identische (mo­noklonale) Immunglo­buline, Schwerket­ten oder Leichtketten, die alle im peripheren Blut nach­weisbar sind. Letztere werden über den Urin ausge­schieden, aber auch in ver­schiedenen Or­ganen, insbesondere der Niere und der Leber (Amyloid), abgelagert. Zu­sätzlich kann von den Plasmazellen ein noch nicht weiter identifizierter osteolytischer Faktor freigesetzt werden.

Die monoklonalen Immunglobuline werden den Schwerketten (G1, G2, G3, G4, A, M, selten D, E) kombiniert mit dem Leicht­kettentyp Kappa oder Lambda zugeord­net. Eine Sonderform nehmen die isolier­ten Leicht- oder Schwerket­tenerkrankun­gen ein. Hierbei werden von den sezer­nie­renden Plasmazellen ausschließlich Leicht- oder Schwerketten gebildet. Eine iso­lier­te Schwerkettenerkrankung ist sel­ten und zeigt bei der Alpha-Ketten-Erkran­kung insbe­sondere Symp­tome intestinaler Malabsorbtion. Freie Leicht­ketten (Bence-Jones-Proteine) kön­nen aufgrund ihres geringen Molekulargewichtes auch bei gesunder Niere in den Urin ausgeschie­den werden und sind hier als erstes fest­stellbar.

In Abhängigkeit der Progredienz der Er­krankung unterscheidet man zwischen malignen und beni­gen monoklonalen Gammopathien unbestimmter Signifikanz (MGUS). Für die Prognose und Ein­ord­nung einer monoklonalen Gammopathie sind folgende Faktoren wesentlich:

a) die Se­rumkon­zentration des monoklonalen Im­munglobulins (ungünstig > 1500 mg/dl),

b) der Typ des mo­noklonalen Immunglobu­lins (un­günstig IgM und IgA)

c)  und die Sek­retion klonaler freier Leicht­ketten im Se­rum.

Die häufigsten monoklonalen Plasmazel­lerkran­kungen sind:

1. Monoklonale Gammopathie unklarer Sig­nifi­kanz (MGUS)

2. Smoldering Myelom (Schwelendes Mul­tiples Myelom, SMM)

3. Multiples Myelom (Plasmozytom, M. Kah­ler) 

Morbus Waldenström

4. Leichtketten-Amyloidose

5. Leichtketten-Ablagerungs-Krankheit (Light Chain Deposition Disease)

Die „Monoklonale Gammopathie unkla­rer Sig­nifikanz“ (MGUS) ist die häufigste Plasma­zellstörung. Die Anzahl der Be­troffenen mit die­ser Veränderung nimmt mit dem Alter zu. Pro Jahr entwickelt etwa 1% der MGUS Patienten eine maligne Er­krankung, überwiegend ein Mul­tiples My­elom. Eine MGUS tritt bei ca. 3% der Be­völkerung über 50 Jahre auf. Sie stellt auf Grund fehlender klinischer Symptomatik in der Regel einen Zufallsbefund in der Se­rume­lektrophorese bzw. im  Urinstatus dar. Es finden sich weder Osteolysen noch eine Anämie, Hy­perkalzämie oder eine Niereninsuffizienz. Im Gegensatz zu einer malignen monoklonalen Gammo­pathie ist die Konzentration des Parapro­teins niedriger, und die polyklonalen Im­munglo­buline sind nicht vermindert. Eine Therapie ist nicht erforderlich. Allerdings sind lebenslange Verlaufskontrollen not­wendig, da die MGUS bei ca. 1/3 der Pati­enten in ein Plasmozytom, einen Morbus Wal­denström, eine Amyloidose oder andere lymphoproliferative Erkrankungen über­ge­hen kann. Beide Fomen treten gehäuft mit fort­schreitendem Lebensalter auf.

Das Smoldering Myelom ist eine zwi­schen der MGUS und dem  Multiplem My­elom einzuord­nende Erkrankung.  Sie entwickelt sich sehr langsam, zeigt nicht die typischen klinischen Anzeichen des Multiplem Myeloms und bedarf keiner Be­handlung, muss aber beobachtet wer­den.

Das Multiple Myelom (Plasmozytom, M. Kah­ler) ist in verschiedene Untergruppen aufteilbar. Die größte Gruppe bildet das Multiple Myelom mit vollständigem Im­munglobulin (ca. 80%). Neben dem voll­ständigen Immunglobulin wer­den in den meisten Fällen auch freie Leichtket­ten ge­bildet. Ca. 15% aller Multiplen Myelome - die sog. Leichtketten - bzw. Bence-Jones-Mye­lome - produzieren ausschließlich freie Leicht­ketten. Bei den restlichen 1 bis 5% der Myelome ist mit der Standarddiagnos­tik kein oder nur sehr wenig monoklonales Eiweiß nachweisbar - in diesen Fällen spricht man von „nonsekretori­schen“, „asekretorischen“, „hypo­se­­kre­torischen“ oder „oligosekretorischen“ Mye­lomen. Im Vor­der­grund einer malignen mono­klona­len Gammo­pathie stehen uncharakteristi­sche Beschwerden wie Müdigkeit, Schwä­che, Knochenschmerzen und häufige In­fekte, die durch die Verdrängung der nor­malen Blut­bildung bedingt sind. Die ex­zessive Produktion von kompletten und in­kompletten monoklonalen Immunglobu­linen kann zu drastischen Ein­schränkun­gen der Nie­ren­funktion führen, durch An­lagerung an Throm­bozyten deren Funk­tion beeinträchtigen oder aufgrund ihrer Vis­kosität zu Durchblu­tungsstörungen füh­ren; der osteo­ly­tische Prozess kann zu lo­kalen Herden des Kno­chenabbaus (Schrotschussschädel) führen.

Die Makroglobulinämie Waldenström geht einher mit einer vermehrten Bildung von mo­noklonalem Immunglobulin M und kann zu ei­nem Hyperviskositätssyndrom, Anämie, Lymph­adenopathie und Hepa­tosplenomegalie führen.

Die Leichtketten-Amyloidose ist durch eine Ablagerung monoklonaler freier Leichtketten in Form von „Amyloid“ ge­kennzeichnet und kann alle Organsys­teme befallen, am häufigsten be­troffen sind Herz, Niere, Haut, Leber und das pe­riphere Nervensystem mit entsprechenden Fol­gestörungen.

Bei der Leichtketten-Ablagerungs-Krankheit werden, wie der Name sagt, eben­falls Leicht­ket­ten im Gewebe abgelagert, wobei hier aller­dings kein Amyloid nach­gewiesen werden kann. Primär sind die Nieren betroffen, innerhalb we­niger Jahre kann es zum terminalen dialyse­pflichtigen Nierenversagen kommen.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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