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Lexikon zum Laborbefund

Blutausstrich (mikroskopische Differen­zie­rung)

Bei vielen klinischen Fragestellungen inte­ressiert nicht nur die Zahl der Blutzellen, sondern auch eine mikroskopische Beur­teilung der Zellen im gefärbten Blutaus­strich. Solche wichtigen Merk­male sind Größe, Form, Anfärbbarkeit, Kern­form, Kern-Plasma-Relation und besondere Struk­­turen der einzelnen Zellelemente, die Her­kunft und Reifestadium der Zellen cha­rakterisie­ren. Im Allgemeinen differenziert man 100 Leu­kozyten und beurteilt dabei gleichzeitig die Erythrozyten.

 

Anfertigung des Blutausstrichs

Bei Kapillarblut wird der zweite  spontan austre­tende Blutstropfen oder ein Tropfen (ca. 10-20 μl) aus einem EDTA-Röhrchen direkt auf den Objektträger getropft. Ein zweiter Objekt­träger wird an den Blutstropfen herangeführt, bis er Kontakt hat. Das Blut verteilt sich seitlich ent­lang der Kante des aufgesetzten Objektträgers und wird mit einem Deckglas im spitzen Winkel auf dem Objektträger ausgestri­chen. Je flacher der Anstellwinkel des Deckgläschens ist, desto dünner wird der Ausstrich. Das Präparat lässt man an der Luft trocknen und kann es dann mit einem Bleistift beschriften.

 

Exkurs Dicker Tropfen

Beim dicken Tropfen zum mikroskopi­schen Nach­weis von Malaria-Erregern wer­den 20 μl EDTA-Blut auf den Objektträger auf­ge­setzt und mit Glasstab auf einen Durchmesser von ca. 2 cm verrührt. Bei Raumtemperatur wird dieser in waage­rechter Lage etwa 90 Minuten luftgetrock­net.

 

Färbungen

Nach dem Trockenen erfolgt die Färbung des Aus­strichs. Dazu verwendet man Sub­stanzen, die man in saure wie das Eosin und basische Farb­­stoffe wie Methylen-Blau einteilt.

Für die dia­gnostischen Zwe­cke hat sich die pan­optische Färbung nach Pappenheim als beson­ders geeig­net erwiesen.

Pappenheim-Färbung

Die Pappenheim-Färbung (benannt nach Artur Pappenheim, 1870–1916) ist eine panoptische, panchromatische Differentialfärbung, die sich aus der Giemsa- und der May-Grünwald-Lösung zusammen setzt; sie dient neben der Anfärbung von luftgetrockneten Blutausstrichen und zyto­logischen Präparaten mit Darstellung der baso­philen, neutrophilen und eosinophilen Strukturen auch dem Nachweis bestimmter Parasiten und Keime.

Folgende Lösungen werden verwendet:

May-Grünwald-Lösung, die eosin­saures Methy­lenblau in Methanol enthält, Giemsa-Lösung, die Azur II sowie eosinsaures Azur II in Methanol enthält.

Zunächst wird der Ausstrich auf eine Fär­bebank gelegt und mit May-Grünwald-Lö­sung bedeckt, mit aqua bidest. gewa­schen und dann mit Giemsa-Gebrauchs­lösung gegengefärbt.

DNA und RNA färben sich mit basischen Farb­stoffen blau an, während die Proteine und Hä­moglobin mit sauren Farbstoffen wie dem Eosin rot reagieren. Nach dem Trocknen können dann die gefärbten Aus­striche im Mikroskop betrach­tet werden.

 

Mikroskopieren

Zunächst verwendet man das 10er- Ob­jektiv, um die Ebene des Präparates ein­zustellen und einen Bereich zu finden, wo alle Erythrozyten nebenein­ander liegen. Sodann gibt man einen Tropfen Öl auf das Präparat und schwenkt das 100er Ölim­mersionsobjektiv in den Strahlen­gang. Beachtet werden sollte, dass das 10er und 40er-Objektiv Trockenobjektive sind und keines­falls mit Öl verunreinigt werden dür­fen.

 

Exkurs Ölimmersionsobjektiv

Der kleinste Abstand zweier Objektpunkte, die ge­rade noch zu erkennen sind, wird als d be­zeichnet und ist abhängig von der Wellenlänge l, dem Brechungsindex n und dem Sinus a, der entspricht der Apertur eines Trockenobjektivs.

Durch Zugabe von Öl wird n also größer, d klei­ner und damit die Auflösung besser. Gleiches gilt, wenn man l, also die Wel­lenlänge, wie beim Elektronenmikroskop verkleinert.

Jugendliche

Stabkernige

Segmentkernige

Eosinophile

Basophile

Monozyten

Lymphozyten

IIII

IIII  IIII IIII

IIII IIII IIII IIII IIII IIII IIII IIII IIII II

III

I

IIII II

IIII IIII IIII IIII III

Beispiel für die Notierung eines Differentialblutbildes (Summe 100)

 

Durchmusterung

Beim Ausstreichen des Blutes verteilen sich die Zellen in unterschiedlichen Formen auf dem Ob­jektträger und zwar so, dass sich große Zellen wie die Monozyten und Granulozyten eher am Rand und kleinere Zellen wie die Lymphozyten eher in der Mitte finden. Daher muss man das Präpa­rat unbedingt mäanderförmig durchmus­tern, andernfalls kommt man zu falschen Ergeb­nissen.

Der Vorgang des Differenzierens umfasst das Erkennen und Eintragen der ver­schiedenen Leu­kozytentypen in eine Stri­cheliste. Die Ergebnisse aus dem gleichen Blutausstrich des gleichen Un­tersuchers können erheblich schwanken, kurz, die Reproduzierbarkeit ist schlecht. Sie ge­nügt jedoch im allgemeinen den Belangen der Praxis.

Die Differenzierung von nur 100 Zellen bei insge­samt ca. 50 Milliarden Zellen ist ein Kom­promiss zwischen ge­nauem Ergebnis und vertret­baren Auf­wand. Daher sollte man sich darüber im klaren sein, dass der Ver­trau­ens­bereich bei 1 % einer gefundenen Zellart zwi­schen 0 und 5 % liegt, bei 10 % zwischen 4 und 16 % und bei 60% gefundenen Zellen zwischen 50 und 70 % liegt.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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