Lexikon zu Ihrem Laborbefund

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Lexikon zum Laborbefund

Differenzierung der Leukozyten (apparative Differen­zie­rung)

Die Differenzierung der Leukozyten erfolgt in den modernen Analylsatoren nach dem Prinzip der Durchflusszytometrie (Hydrodynamische Fo­cus­sierung), sieh auch bei „Leuko­zyten­zäh­lung“. Parallel zur Messung von Erythrozyten, Hämoglobin und Thrombozyten werden mittels Streulicht, Impendanz (Wechsel­strom­wider­stand, „Coulter-Prinzip“)  sowie al­ternativ bei eini­­gen Geräten Konduktivität (Leit­fähigkeit), Fluoreszenz oder Zytochemie (Peroxidase) eine Differen­zierung in Neutrophile, Eosiniphile, Ba­sophile, Monozyten und Lymphozyten vorge­nommen. Mit Hilfe spezieller Reagentien wer­den die Zellmembranen perforiert, sodass die Fär­be­lösungen in die Zellen eindringen und Kern und Plasma anfärben.

Leukozyten nach Einwirkung des Färbereagents, mit  freund­­licher        Genehmigung der Fa. Sysmex

Nicht zuordbare Zellen, unreife Zellen sowie kernhaltige rote Vorstufen werden in der Regel als nicht klassifizierbar angegeben und müssen dann in einem weiteren Untersuchungs­gang im Ausstrich mikroskopisch beurteilt wer­den.

Lage abnormaler Zellen im Scattergramm, mit  freund­­licher        Genehmigung der Fa. Sysmex

Geräte, die nach dem Pattern-Recognition-Prin­zip arbeiten, sind in der Lage, in gefärbten Zen­trifugationsaussstriche Leukozyten optisch zu klassifizieren und erreichen schon in sehr ho­hem Maße die Qualität eines menschlichen Un­ter­suchers. Nachteile dieser Geräte sind noch ihr hoher Kaufpreis sowie die längere Bearbeitungs­zeit der Probe.

Spezialuntersuchungen in der Leukämiediag­nostik

Zytochemische Untersuchungen

Al­kalischen Leukozy­tenphosphatase

Ein wichtiger Parameter zur Differentialdiag­nose  myeloproliferativer Erkrankungen ist die zyto­chemische Farbre­aktion der Al­kalischen Leuko­zy­tenphosphatase. Dieses Enzym  kata­lysiert in den Leukozyten die Hyd­rolyse von Phosphates­tern. Die Akti­vität der Alkali­schen Leukozy­ten­phosphatase kann mit α-Naph­tylphosphat als Sub­strat und einem Dia­zo­nium­salz nachgewie­sen werden, wobei sich ein gelb-braunes Reakti­ons­produkt ergibt. Je nach Vor­handensein, bzw. In­tensität der Farbreaktion las­sen sich jeder Zelle eine Aktivitätsstufe zwi­schen 0 und 5 zuordnen, auch hier wer­den insge­samt 100 neutrophile stab- und segmentkernige Gra­nulozyten beurteilt und daraus ein Score, eine Ak­tivitätszahl, er­rechnet. Bei der CML ist diese Aktivitäts­zahl auf Werte unter 10 ernied­rigt, bei der Osteomye­losklerose, der Poly­cythämia vera und bei bakte­riellen Entzündun­gen sind die Akti­vitätszahlen erhöht (>100).

Myeloperoxidase, Esterase, PAS

Zytochemische Untersuchungen sind auch in der  Differentialdiagnose der Akuten Leukämien von Bedeutung (s. untenstehende Tabelle). Etwas ver­einfacht ist der Nachweis der Myelo­per­oxi­dase (MPX) in den Blasten für eine my­e­lo­ische Leukämien (AML) charak­teris­tisch, der Nach­weis der Esterase (EST) spricht für eine mo­­no­­zytäre Herkunft der Blasten (Akute Mo­nozy­ten­leukämie) und eine positive Periodic-Acid-Schiff (PAS)-Reaktion findet man bei allen Formen der ALL.

FAB-

     Zytochemie

Klas­­sifikation

MPX

EST

PAS

AML M1, M2

+

+

-

AML M3

++

+

-

AML M4

+

++

-

AML M5

 -

++

-

AML M6

(+)

 -

-

AML M7

 -

 -

-

ALL L1, L2, L3

 -

 -

++

Klassifikation der akuten Leukämien nach Zytochemie

Immunphänotypisierung

In der Durchflusszytometrie werden Zellen oder andere Partikel in einer Einzelzell­suspension durch hydrodynamische Fo­kussierung an einem gebündelten Laser­strahl geeigneter Wellenlänge vorbeige­leitet. Durch die Vorwärts- und Seit­wärts­lichtstreuung erhält man Informationen über Größe und Granularität der unter­suchten Partikel. Durch immunologische Markierung mit fluoreszenzmarkierten An­tikörpern können zu­sätzlich bestimmte Ei­genschaften von Zellen oder Zellpopulati­onen, wie z. B. die Expression von Ober­flächenantigenen von Lymphozyten oder Blasten auf Einzelzellebene analysiert wer­den.

Zytogenetik Chro­mosomale Aberationen können mittels Flu­ores­zenz-in situ-Hybridisierung (FISH) an Inter­phasezellkernen nachgewiesen werden, die mit Prognose und Feindiagnose spezieller Leukämie­formen verbunden sind. Die FISH-Analyse ver­wen­det Chromosomenregion- oder Gen-spezifi­schen Sonden insbesondere in der  Diagnostik der ALL. Diese Untersuchungen werden nur in Speziallabors durchgeführt.

Molekulargenetik Der Nachweis spezifischer Genorte wie der bcr-abl-Locus (Philadelphia-Chromosom) mit­tels PCR, das durch Bruch der Chomosomen 9 und 22 und dadurch verändertem Genprodukt ent­steht, ist bei CML oder ALL von Bedeutung.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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