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Lexikon zum Laborbefund

Heparine und Heparinoide

Heparine werden in unfraktionierte (UFH = un­fraktionierte, klas­sische) Heparine, nieder­mole­kulare Heparine (LMWH = low-molecu­lar-weight heparin) und sog. Heparino­ide un­terteilt.

Dieser Komplex Heparin-Antithrombin neut­rali­siert sehr effektiv alle Serinprotea­sen der Gerin­nungskaskade, wobei die Hemmung der akti­vierten Faktoren IIa und Xa deutlich im Vorder­grund steht. Die ver­schiedenen Hepa­rine bzw. Heparinoide unterscheiden sich in ihrer unter­schiedlich ausgeprägten Hemm­wir­kung auf die Fak­toren IIa und Xa. Je stärker aufgereinigt und je kürzer die verwendete Sub­stanz ist, d.h. je strukturell ähn­licher sie der Penta­sacharidse­quenz ist, um so ausge­prägter ist die Anti-Xa-Wirkung. Bei Überdo­sierun­gen wirkt Pro­tamin­sulfat als Antidot.

Neben den unfraktionierten Heparinen (UFH) wie Liquemin®, meist intravenös über Per­fusor, subkutan oder perkutan appliziert, kom­men niedermolekulare Heparine wie Dalte­parin (Fragmin®), Enoxaparin (Clexa­ne®) oder Nadroparin (Fraxiparine® ) zum Einsatz; sie werden ein- bis zweimal täg­lich subkutan gespritzt, sind besser steuerbar und weisen daher ein geringeres Blutungsrisiko auf.

Heparinoide wie Danaparoid (Orgaran®) wirken ähnlich wie Heparin, aber einen an­de­ren molekularen Aufbau.

Der Hauptwirkungsme­chanismus der Antikoa­gula­tion ist für alle Heparine und Heparinoide gleich. Sie be­sitzen eine gemeinsame Penta­sac­charid-Sequenz, die spezifisch an An­ti­thrombin III bin­det.

Die Einstellung der Therapie mit klassi­schem Heparin erfolgt mit der PTT. An­tithrombin-III sollte über 50% liegen, die PTT sollte auf etwa das 2 bis 3-fache ge­genüber der Ausgangs-PTT verlängert sein.

Als eine der gefürchtetsten Nebenwirkun­gen ei­ner Therapie mit unfraktioniertem Heparin gilt die Heparin-induzierte Throm­bozytopenie. Die Antikörper gegen einen aus Plättchen­fak­tor 4 und Heparin beste­henden Komplex sind frühes­tens 3 bis 6 Tage nach Beginn einer He­parinthe­rapie im Plasma der Patienten nach­weisbar. Bei positivem Testausfall muss das Heparin umge­hend abgesetzt werden. Da auch noch Tage nach Absetzen des Heparins Thrombosen auftreten können, empfiehlt sich die Fortführung einer Antikoagulation wahl­weise mit Heparanoiden, Faktor II- oder Faktor-Xa-Inhibitoren. Eine Gabe von nieder­mo­lekularen Heparinen ist we­gen ho­her Kreuzreaktivität kontraindiziert.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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