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Lexikon zum Laborbefund

Direkte Thrombinhemmer

Hiru­din (Refludan®), Bivalirudin (Angiox®), Argatroban (Argata®) und Dabigatran (Pra­da­xa®) sind selektive Faktor II-Inhi­bitoren und ha­ben keine Anti-Xa-Wirkung. Sie binden di­rekt an Thrombin und blockieren dessen Wir­kung, so dass die Umwandlung von Fibri­no­­gen zu Fibrin und damit eine Gerinnsel­ent­stehung unterbleibt. Weil sie neben im Plas­ma frei vorliegenden Thrombin auch fi­brin­ge­bundenes Thrombin hemmen, wird zu­sätz­lich auch die Thrombin-induzierte Throm­bo­zyten­aggregation verhindert.

Die Applikation von Hiru­din, Bivalirudin und Argatraban erfolgt subkutan oder intravenös und wird überwiegend zur Anti­koagulation bei Pa­tienten mit HIT Typ II (Heparin-induzierte Thrombozytopenie) einge­setzt. Hirudin wird ausschließlich renal eliminiert, bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis angepasst und kontrolliert werden.

Dabigatran kann oral verabreicht werden und kann daher im ambulanten Bereich an Be­deu­tung gewinnen. Die Substanz wird in fester Ta­ges­dosis gegeben, ein routinemäßiges Ge­rinnungs-Monitoring ist prinzipiell nicht not­wendig. Die  Elimination erfolgt zu 80 % re­nal, zu 20 % biliär.

Der antikoagulatorische Effekt selektiver Fak­tor II-Inhi­bitoren kann mittels TZ (ist bei the­rapeutischen Peakspiegel ca. 15-fach erhöht) und der weniger sensitiven PTT (ist bei thera­peutischen Peakspiegel ca. 2-fach erhöht) fest­gestellt werden. Die stark verlängerten Global­teste geben keinen Hinweis auf eine Über­do­sie­rung und unter­liegen starken Tages­schwankungen. Mit der modifi­zierten TZ (verdünnter TZ-Assay, Hemoclot) oder der ECT (ecarin clotting time) kann die Wirkung von Faktor II-Inhi­bitoren quantifiziert werden; dies wird aber nur bei Risikopatienten in­diziert. Bei Überdosierung führt die frühe Applikation von Aktivkohle zu einer ver­min­derten intestinalen Resorption, ein spezifisches An­ti­dot existiert nicht.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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