Lexikon zu Ihrem Laborbefund

Mit onlinebefunde können Laboraufträge jetzt einfach und schnell elektronisch erfasst werden – das System spart Ihnen Zeit und Ressourcen.

Lexikon zum Laborbefund

Quick-Test (INR-Wert)

Der zweite bedeutende Globaltest ist die Thromboplastinzeit, genannt Quick-Test (INR-Wert) nach ihrem Erstbeschreiber. Das Testprinzip ist folgendes: Citrat­plasma wird mit einem Überschuss an sog. Thromboplastin und Calcium-Ionen versetzt.

Diese Throm­boplastinreagentien entsprechen dem Gewebe­faktor 3. Ge­wonnen werden sie aus vielen ver­schie­denen Geweben wie z. B. der Plazenta oder Kaninchenhirn.

Beim Quicktest werden also neben Cal­cium-Io­nen Gewebefaktor III zum Plasma gegeben; ge­prüft wird das exogene Sys­tem und damit die Faktoren II, V, VII, X und das Fibrinogen. Fak­tor XIII wird auch hier nicht erfasst. Gewebefak­tor III ist in allen Geweben vorhanden, ein ange­bore­ner oder erworbener Mangel ist bisher noch nie beschrieben worden. Es werden also alle möglicherweise fehlenden Gerin­nungsfaktoren des exogenen Systems er­fasst.

% (v/v) Plasma

1

%

Ermittelte Sekunden (Beispiel)

100

0,010

12,5

80

0,0125

14,0

60

0,0167

15,5

40

0,025

18,2

25

0,040

25,1

10

0,100

41,2

        Quick-Bezugstabelle (Beispiel)

Nun könnte man, ähnlich wie bei der PTT, die gemessenen Zeiten für eine Interpre­tation heran­ziehen. Aufgrund der unter­schiedlichen Herkunft der Reagenzien aus  den verschiedenen Gewebe und den Schwierigkeiten, reproduzierbare Kon­zent­ration dieses Reagenzes herzustellen, wäre eine Vergleichbarkeit der Zeiten, die verschie­dene Labors zu verschiedenen Zeiten ermitteln, prak­tisch nicht gegeben. Um das zu gewährleis­ten, bedient man sich fol­genden Mittels. Man poolt das Plasma in einer großen Zahl in Normal­personen und misst die Thromboplastin­zeit dieses Pool-Plasmas. Diese Zeit gilt dann als 100% Wert. Dann verdünnt man dieses Plasma in verschiedene Konzent­rati­onen und erhält die Zeiten für den 80, 70, 60, 50% Wert bis hin zu 10%. Aus die­sen Zeiten (x-Achse=t und y-Achse=1:%) lässt sich dann eine Bezugsgerade ermit­teln. Jeder gemessenen Thromboplastin­zeit eines Patientenplasmas lässt sich so ein Quick-Wert in % zuordnen. Durch die umgekehrt rezip­roke Auftragung ergibt sich eine graphisch bes­sere Darstellbar­keit im thera­peutischen Bereich zwischen 15 und 35 %.

Da die Ergebnisse verschiedener Labors bei un­terschiedlichen verwendeten Rea­gentien den­noch auch so nur be­grenzt vergleichbar sind, gibt man zusätzlich noch den INR-Wert (Inter­natio­nal Normalized Ratio) an. Die INR ist eine me­thodenunabhän­gige Größe, die auf einen WHO-Standard (WHO = World Health Organisation der UNO) bezogen ist.

Genau wie bei der PTT beeinflusst Hepa­rin und Spaltprodukte die Thromboplastin­zeit im Sinne einer Verlängerung, aller­dings nicht so stark wie die PTT. Da die Dosierung der Marcumar-The­rapie fast ausschließlich von diesen Quick-Wert ab­hängig gemacht wird, ergibt sich die Rele­vanz dieser Bestimmung.

Transport: bei Raumtemperatur Transportzeit kritisch (maximal 6 Stunden)

Normbereich: zwischen 70 und 130 %, < 1,15

Der 100 % Wert liegt bei ca. 12 Se­kunden, ab­hängig vom Reagenz. Der the­rapeutische INR liegt, abhängig von der Grunderkrankung zwi­schen 2.0 und 4.0, d.h. die Patientenprobe ge­rinnt im Quick­test zwei- bis viermal so lange wie eine normale Probe.

Speziell zur Kontrolle der Antikoagulan­tien-Therapie und der Bestimmung des Quick-Tests wurden zusätzlich modifi­zierte Quick-Reagen­tien entwickelt. Sie sind unter dem Namen Thrombotest be­kannt und werden insbesondere im am­bulanten Betrieb eingesetzt. Alle diese Präparationen haben folgende Gemein­samkeiten. Die im Test eingesetzte Blut­menge ist außeror­dentlich klein und be­trägt nur wenige µl. Daher können diese Tests auch mit Kapillarblut durchge­führt werden.

Die Reagentien enthalten zusätzlich Fak­tor V und Fibrinogen, wodurch das Ergeb­nis von der Konzentration von Faktor V und Fibrinogen im Patientenplasma unab­hängig wird. Entsprechend sind die  Er­gebnisse Faktor V unempfindlich und man kann auch bei Blutproben, die länger bei Raumtemperatur gestanden haben oder mit der Post verschickt wurden, zuverläs­sige Werte er­halten. Neben Faktor VIII ist eben auch der Fak­tor V besonders lage­rungslabil.

PTT und Quick sind die in der Routine am häu­figsten eingesetzten Globaltests.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


Suche