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Lexikon zum Laborbefund

Bestimmung von Einzelfaktoren

Die Resultate der beiden Globaltests, Quick und PTT so­wie des Phasentests Thrombinzeit geben be­reits konkrete Informationen über die Aktivität des plas­matischen Gerin­nungssystems. Wenn je­doch Quick, PTT und Thrombinzeit normal sind, sollte man sich genau überlegen, ob eine Einzel­faktorenbestimmung notwendig ist, da sie kosten­aufwendig ist.

Indikatio­nen bei sonst nor­malen Global-, bzw. Pha­sentests sind der Verdacht auf eine nur mittel­schwere Hämophilie A oder B (das würde die Faktoren VIII und IX betreffen), eine bereits an­ders diagnostizierte Le­ber­funktionsstörung oder der Verdacht auf eine hämorrhagische Diathese. Ausnahmen sind die Faktor XIII-Be­stimmung, da dieser durch sämtli­che Globaltests nicht erfasst wird, sowie die Faktor I = Fibrino­gen-Bestim­mung, da diese einfach durchzufüh­ren ist und da­her zusammen mit Quick, PTT und Thrombinzeit zum sog. kleinen Gerin­nungssta­tus gehören.

Für alle Bestimmungsverfahren für Gerin­nungs­faktoren, des exogenen und des endogenen Sys­tems mit Ausnahme von Faktor XII und XIII, benötigt man zunächst ein sog. „Mangelplasma“, in dem alle Faktoren - bis auf den zu messenden- Faktor vor­handen sind. Solch ein Plasma, bei­spielsweise für den Faktor VIII, könnte man von ei­nem Patienten mit einer Hä­mophilie A ge­win­nen. Moderne Verfahren bedie­nen sich der Möglich­keit der sog. Immunad­sorption. Das be­deutet, dass man mit geeigneten Antikörpern spezifisch ein­zelne Faktoren elimi­niert und so standardisierte Man­gelplasmen erhält, in denen alle bis auf den einen ge­suchten Faktor vorhan­den sind.

Analytische Probleme entstehen auch beim Vor­handensein von In­hibitoren wie Heparin oder Spaltprodukten in der Probe, die die Gerin­nungs­zeiten verlängern können. Um diesen Einfluss möglichst gering zu halten und damit die Emp­findlichkeit zu erhöhen, wird das Patienten­plasma mit ei­nem Puffer stark ver­dünnt. Bei ei­ner sol­chen Verdünnung kann man dann davon ausgehen, dass potentielle Inhibitoren keine Rolle spielen.

Gibt man das unverdünnte Mangel­plasma mit dem verdünnten Patienten­plasma zusam­men, hängt die Zeit bis zur Bildung ei­nes Fibrin­gerinn­sels ausschließlich von der Kon­zent­ration des im Mangelplasma nicht vorhan­denen Faktors ab, da alle anderen Faktoren im Über­schuss vor­handen sind.

Mit ent­sprechend ver­dünntem Mischplasma von Gesun­den kann eine vergleichende Bezugs­kurve erstellt werden und die gemessenen Zeiten auf doppelt-logarithmischen Pa­pier gegen den Pro­zentgehalt aufgetragen werden.

Faktor XII, XI, IX und VIII werden mit der PTT, Faktor VII mit dem Quick-Reagenz, also Gewebe­faktor 3 bestimmt. Für die Faktoren X, V und II beständen theore­tisch beide Möglich­keiten. Da der Quick-Test jedoch insgesamt em­p­findlicher ist, werden X, V und II auch mit ihm bestimmt.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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