Lexikon zu Ihrem Laborbefund

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Lexikon zum Laborbefund

Anwendungen in der Praxis

Bei Patienten mit spontanen Thrombosen oder bei Rezidiven sollte eine entspre­chende Gerin­nungsdiagnostik zum Aus­schluss bzw. Nachweis einer hereditären Thrombophilie erfolgen. Das Screening erfasst die Untersuchung auf die APC-Re­sistenz, fast immer basierend auf einer Faktor V-Mutation, auf eine Faktor II-Muta­tion, auf ei­nen Antithrombin-III-Mangel, ei­nen Protein-C-, einen Protein S-Mangel, Phospholipid-Antikör­per, Faktor VIII und XII, gelegentlich zusätzlich Lp(a), Homo­cystein und die MTHFR-Mutation.

Bei der Thrombophiliediagnostik muss be­rück­sichtigt werden, dass eine beste­hende Marcum­arisierung zu falsch niedri­gen Werten bei Protein C und S führt. Auf­grund der langen Halbwerts­zeit von Mar­cumar sollte die Untersuchung des­halb frühestens zwei Wochen nach Beendi­gung der Antikoagulation durchgeführt werden. Ist ein Absetzen der Antikoagula­tion nicht vertretbar, muss auf den Nach­weis von Protein C und  S verzichtet wer­den.

Bei Nachweis einer hereditären Throm­bophilie sollten grundsätzlich auch Famili­enangehörige, d. h. Geschwister, Eltern und Kinder der Betrof­fenen, untersucht werden.

Die Frage, ob bei jungen Frauen vor Ein­nahme der Pille grundsätzlich ein Scree­ning auf eine APC-Resistenz durchgeführt werden sollte, wird kontrovers diskutiert.

Bekannt ist bei einer verstärkten Throm­bosenei­gung ein erhöhtes Risiko für Spon­tanaborte. Bei ca. 25% aller Patien­tinnen mit spontanen Abor­ten oder ande­ren Fertilitätsproblemen werden Blutgerin­nungsstörungen gefunden. Schwanger­schafts-Komplikationen unkla­rer Ursache sind daher Indiz für eine Thrombophilie. Häufigste Ursache ist die Faktor-V-Muta­tion. Mit  nieder­molekularen Heparinen wie Enoxaparin können während der Schwan­gerschaft Komplikationen verhin­dert wer­den. Daher werden solche Patien­tinnen, sobald die Schwangerschaft fest­gestellt wird, mit einem niedermolekularen Hepa­rin be­handelt werden. Kontrollen des Blut­bildes und der Aktivitätsparameter der Ge­rinnung sind min­destens alle vier Wo­chen zu empfehlen.

Die Therapie wird bis sechs Wochen nach der Entbindung fortgeführt, da das Thromboserisiko auch postpartal gestei­gert ist.

HIT Typ II

Labordiagnostisch findet man bei der He­parin-induzierten Thrombozytopenie Anti­körper, die gegen den Heparinplättchen­faktor 4-Komplex gerichtet ist. Diese Anti­körper entstehen wäh­rend einer Therapie mit hochmolekularen Hepa­rinen und sind frühestens 3 bis 6 Tage nach Be­ginn einer Heparintherapie im Plasma der Pati­enten nachweisbar. Heparin findet in zwei For­men in der medizinischen Therapie Ver­wen­dung, als hochmolekulare und nie­dermolekulare Zubereitung.

Eine Heparin-induzierte Thrombozytope­nie tritt in bis zu 5 % der Fälle bei Patien­ten auf, die mit hochmolekularem, unfrakti­oniertem Heparin be­handelt werden. Bei der Behandlung mit nie­dermolekularen Heparinen sind es weniger als 1 %. Bei positivem Testausfall muss das Heparin umgehend abgesetzt werden.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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