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Lexikon zum Laborbefund

Allergen-spezifisches IgE

Allergen-spezifisches IgE wird mittels des En­zym-Allergo-Sorbent-Test (EAST, früher Radio-Allergo-Sorbent-Test, RAST) be­stimmt. Dabei stehen über 600 Einzelallergene zur Verfügung. Spez. IgG- und IgA-Antikörper bleiben spe­ziellen Frage­stellungen vorbehalten. Die früh­zeitige Diagnos­­tik der IgE-Sensibi­lisierung  spielt eine große Rolle für den klinischen Ver­lauf und die Auswahl der Therapie­mög­lich­keiten. Davon entfallen ca. 50 % auf res­pira­to­ri­sche Pollen­allergene, die saisonal bedingt den „Frühblüher“ (meist Bäume) und Spät­blü­her (Grä­ser und Kräu­ter) zugeordnet werden.

Die Ergebnisse für diese spezifischen IgE-Anti­körper werden semiquantitativ in sechs unter­teilte, sog. RAST-Klassen ausgegeben.

Sowohl die Diagnostik, als auch die Desen­sibilisierungstherapie, auch spezifische Immun­therapie (SIT) genannt, von Allergien wer­den in der Regel mit Allergenextrakten durch­ge­führt. Die Extrakte enthalten ein auf­gerei­nigtes, natives  Gemisch von Proteinen, dessen Stan­dardisierung nur bedingt vorhanden ist. Jede Pol­lensorte stellt eine komplexe Mischung aus „minor“ und „ma­jor“ Proteinen dar, die Minorallergene wer­den von wenigen, die Ma­­­jor­­allergene von den meis­ten Patienten er­kannt, die gegen diesen Pollen allergisch sind. Ma­jor-Allergene sind stark allergen und stellen in vie­len Fällen Mar­ker­allergene für eine be­stimmte Pflanze dar: z. B. Bet v1 für Birke und Phl p 1 und 5 für Liesch­gras. Die Minor­aller­gene finden sich in den Pollen von mehreren, unter­schiedlichen Pflan­zen, Obst und Gemüse und gehören den Fa­milien Profiline, Spei­cher­proteine, Lipid­transfer­proteine u.a., dem­­entspre­chend auch Pan­­­al­ler­gengruppen ge­nannt. Die Panallergene wie­sen eine hohe Kreuzallergenität auf und sind für kombinierte Nah­rungsmittel- und Pollen-Sen­sibilisierungen verantwortlich. Zum Beispiel ru­fen die verwandten Minor­al­ler­gene aus Nüsse, Soja und Baumsamen häufig systemische Reaktionen hervor, ebenfalls das Tropomyosin aus Schalentieren und Milben.

Gerade für polysensibilisierte Patienten gilt es, die primären Allergene zu identifizieren und von Kreuzreaktionen abzugrenzen, um eine gezielte SIT ansteuern zu können. Patienten, die gegen Majorallergen sensibilisiert sind, haben eine gute Ausgangslage für eine SIT; diejenigen, die ausschließlich gegen Minor­allergene sensibi­li­siert sind, eignen sich nur eingeschränkt dafür. Mit der Etablierung gen­technologischer Ver­fah­ren können Einzel­allergenkomponenten wie Mi­nor- und Major­allergene rekombinant hergestellt werden. Für die Abklärung von Kreuzreaktionen oder zur Indikationsstellung einer SIT, soll die kon­ventionelle Bestimmung von spezifischem IgE  mit dem Ansatz von re­kombinanten Aller­genen ergänzt werden.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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