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Lexikon zum Laborbefund

Gangliosid-Antikörper

Gangliosid-Antikörper kommen bei der sero­lo­gische Diagnose peripherer Neuropathien zum Ein­satz. Antikörper gegen Gangliosid GD1b und Gangliosid GM1 werden beim Guillain-Barré-Syndrom (GBS) gefunden. Ganglioside sind Be­standteile in den Myelinscheiden von Ner­venzellen des peripheren und zentralen Ner­ven­systems. Sie setzen sich alle aus einem Li­pid und einer Oligo­saccharidkette zusam­men, unter­scheiden sich aber in der An­zahl und Position der Sialinsäure­moleküle (GM1, GD1b, GQ1b). Ganglioside haben u.a. Re­zeptoreigenschaften und dienen der Signalübertragung im Nerven­system.

Beim Guillain-Barré-Syndrom handelt sich um eine immunologisch bedingte, entzündliche Er­krankung der peripheren Nerven und Nerven­wurzeln. Häufig geht der Erkrankung eine Bak­terien- oder Virusinfektion (FSME, CMV, My­ko­plasmen, Campylobacter) voraus. Auch Imp­fungen oder immunsupprimierende Er­kran­kun­gen können krankheitsauslösend wir­ken.

Die Erkrankung beginnt mit symmetrischen Muskellähmungen an Armen und Beinen, mit Mus­kelschwäche, die sich kontinuierlich über den ganzen Körper ausbreitet. Bei mehr als 50 % der Patienten kommt es zusätzlich zu einer Be­teiligung der Atemmuskulatur und zu Atem­schwäche, etwa 20% müssen künstlich beatmet werden. Dies kann akut ablaufen, meist jedoch verstreichen einige Wochen bis zum Maximum der Symptome; nach einer unter­schiedlich lan­gen Krankheitsphase erfolgt dann meist eine nahe­zu fast vollständige Remission.

Labormäßig findet sich neben den Gangliosid-Antikörpern in der Regel eine leichte Eiweiß­erhöhung bei normaler Zellzahl im Li­quor. In der isoelektrische Focussierung finden sich keine oligoklonalen Banden.

Gangliosid-Antikörper (GQ1b-Ak) finden sich auch häufig bei einer Variante des GBS mit Ophthalmoplegie, Ataxie und Areflexie, dem Miller-Fisher-Syndrom sowie bei der multifo­kale motori­sche Neuropathie (MMN, GM1- und GD1b-Ak) mit  progre­dienten, häufig asymmet­rischen und distal­betonten Paresen, die hier auch zur  Ab­gren­zung ge­genüber der amyo­trophi­schen La­teral­sklerose eingesetzt werden.

Der Nachweis von Gangliosid-Antikörper er­folgt durch einen Immunoblot.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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