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Lexikon zum Laborbefund

Rheumatoide Arthritis

Die Rheumatoide Arthritis (RA) oder chroni­sche Polyarthritis ist die häufigste entzündli­che Sys­temerkrankung der Ge­lenke. Der Verlauf der Er­krankung kann individuell sehr unterschiedlich sein. Ins­besondere bei Pati­enten mit sehr schwe­rem Krankheitsverlauf ist eine frühzeitige und richtige Prognose dringend erforder­lich, um den Therapiever­lauf zu beeinflus­sen und mögliche Spätschä­den zu ver­meiden. Durch eine Vielzahl von Studien ist belegt, dass eine genetische Dis­posi­tion für die RA durch einige Allele der HLA-DR Region besteht.

So ist die RA in nahezu allen untersuchten Bevölkerungsgruppen assoziiert mit den HLA-DR4 Subtypen DRB1*0401, *0404, *0405 und *0408. Auch einige Nicht-DR4 Allele sind in verschiedenen Bevölkerungsgruppen mit der RA assoziiert, so z.B. DRB1*0101, DRB1*0102 und DRB1*1001 bei Kaukasiern und DRB1*1402 bei amerikanischen Ureinwohnern.

Alle RA-assozi­ier­ten HLA-DRB1 Allele kodie­ren in ihrer dritten hy­pervariablen Region an der Posi­tion 70-74 das so genannte „Rheumatoide Epitope" oder „Shared Epitope". Etwa 80-90 % aller kaukasischen RA-Patienten sind heterozy­got oder homozygot für eines die­ser HLA-DR-Shared Epitope Allele. Unter­suchungen zei­gen, dass neben dem er­höh­ten Risiko an der RA zu erkranken das Vorhan­densein des „Shared Epi­tope" auch als prognos­tischer Marker für den Verlauf und die Schwere der Erkrankung dienen kann. Träger bestimmter „Shared Epitope“ auf Al­lelen der HLA-DRB1*04 (DR4)-Gruppe sind im übri­gen prädisponiert für die Anti­biotika re­sistente Form der Lyme-Arthritis.

Aus dem positiven Nachweis von „Shared Epitope“ ergibt sich ein erhöhtes Risiko, an einer RA zu erkranken. Wie die Entstehung der RA durch das „Shared Epitope" der HLA-DRB1 Allele gefördert wird, ist nicht bekannt. Einer Hypothese nach existiert das „Shared Epitope“ auch in den Antigenen verschiedener Mikro­organismen, fungiert dort in einem bestimmten Kontext als Epitope für das Immunsystem und führt im Laufe einer Immun­antwort schliesslich zu einer Durchbrechung der Toleranz („molecular mimikry“ Hypothese).

Neben dem erhöhten Erkrankungsrisiko kann das Vorhandensein von „Shared Epitope“ im HLA-DRB1-Gen auch als prognostischer Marker für den Verlauf und die Schwere der Erkrankung dienen. Darüber hinaus wurde in zahlreichen Studien ein Gendosis-Effekt nach­gewiesen. Patienten, bei denen beide HLA-DRB1 Allele das „Shared Epitope“ tragen, haben häufig einen schwereren Krankheits­verlauf, als solche mit nur einem „Shared Epitope“-Allel. Insbesondere die „Shared Epi­tope“ auf dem Allel HLA-DRB1*04 sind prädiktiv für eine progressive und destruktive Verlaufsform der RA mit extraartikulären Or­gan­manifestationen.

 

Therapieoptimierung mittels „Shared Epitope“

Das Vorhandensein des „Shared Epitope“ erlaubt eine Aussage über die Therapierbarkeit des Patienten und damit über die Wahl des Medikaments. So sprechen Patienten mit einem homozygoten Genotyp des HLA-DR4 „Shared Epitope“ schlechter auf das Methotrexat an als Patienten mit heterozygotem Genotyp oder ohne ein „Shared Epitope“. Bei diesen Patienten mit einem homozygoten Genotyp des HLA-DR4 „Shared Epitope“ stellt sich eher ein Thera­pie­erfolg durch die Gabe von Etanercept oder eine Kombination verschiedener Medika­mente ein.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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