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Lexikon zum Laborbefund

Lymphozytendifferenzierung

Innerhalb der für die zelluläre Immunant­wort verantwortlichen Zellen bilden die Lym­pho­zy­­ten eine morphologisch sehr ein­heit­li­che Zell­popu­lation; dennoch be­stehen funkti­onell große Un­terschiede. Mittels mar­kierter mo­noklonaler An­tikörper gelingt es heu­te, diese verschiedenen Lymphozyten qualitativ und quantitativ zu diffe­renzieren.

Jede im peripheren Blut oder der BAL nach­weis­bare Lymphozyten-Population lässt sich an­hand ihrer Expression von Oberflächenan­tigenen (CD-Expression) ver­schiedenen Sub­populationen zu­ordnen. Eine Liste der ge­bräuchlichsten CD-Antigene findet sich auf der nächsten Seite.

So werden derzeit drei verschiedene Gruppen unterschieden, s. auch Kapitel Hämatologie:

1. Die T-Lymphozyten, deren Prägung und Diffe­renzierung im Thymus erfolgen,

2. die B-Lymphozyten mit ihrer Differen­zie­rung im Knochenmark und

3. die natürlichen Killerzellen (NK-Zel­len), de­ren Herkunft noch unklar ist.

Ein „Immunstatus“ beinhaltet in der Regel T-Lym­­phozyten mit T-Helferzellen, zyto­toxische T-Zellen und Natürlichen Killer-T-Zellen (NK-T-Zellen), B-Lymphozyten und Natürliche Killerzellen. Ergänzende Analysen können beispielsweise Aktivierungsmarker beinhal­ten. Die Funktion der T-Lymphozyten ist sehr viel­fäl­tig. Man unterscheidet zum ei­nen CD4-Helfer­zellen, welche durch Antigen-Kontakt ak­ti­viert werden und über die Pro­duktion von Interleukin eine stimulierende Wirkung auf an­dere Abwehrzel­len, unter an­derem die B-Zellen, haben. Die zytotoxischen CD8-Lym­phozyten wiederum er­kennen und ver­nichten von Ab­wehrzellen präsentiertes anti­genes Mate­rial.

Die B-Zellen werden von CD4-Helferzellen akti­viert, transformieren dann zu Plasma­zel­len und produzieren die für z.B. virale Infekte charakte­ristischen Antikörper.

NK-Zellen re­agieren mit bereits mit Antikör­pern beladenen Antigenen, unabhängig von der Vorverarbei­tung der Anti­gene durch körpereigene Ma­krophagen.

Zur Beurteilung der spezifischen Immun­antwort ist zunächst die Immun­phä­notypisie­rung der Zell-Subpopu­lationen in­klu­sive der Aktivierungszeichen der T-Zellen notwen­dig, bevor weitere Funktions­unter­suchungen zur Beurtei­lung des Funktions­zu­standes des spe­zifischen Immunsystems über die lympho­zy­täre Mitogenstimulation und Zytokin­se­kretion der Lymphozyten an­geschlossen werden kön­nen.

Das Zusammenspiel dieser hochspeziali­sier­ten Abwehrzellen ist von komplexer Natur; schon geringe Störungen auch nur einer Zell­po­pulation können zu schwer­wiegenden Krank­heiten (Im­munschwäche, überschie­ßen­de Immunabwehr) führen.

Deutlich verminderte Helferzellzahlen fin­den sich im Verlauf von HIV-Infektionen sowie bei Patienten mit rezidivierenden Infektionen, wäh­rend erhöhte Helferzell­zahlen eher für eine ge­steigerte Immun­abwehr sprechen. Lym­­­phozyto­sen mit überwiegend B-Zellen sprechen für ein Non-Hodgkin-Lymphom.

Durch einige Zytostatika kommt es zu Verän­derungen der Lymphozytensubpopulationen, was zu einer Abwehrschwäche führen kann. Im Rahmen der unspezifischen Immunität spie­len die natürlichen Killerzellen (NK-Zel­len) die wichtigste Rolle bei der Tumorab­wehr. Die Ermittlung der Anzahl der NK-Zellen und ihrer Funktionalität bei der Lyse von Tumorzellen ist dazu notwendig.

Indikationen für die Bestimmung der Lym­phozytensubpopulationen sind daher bei fol­gen­den Krankheitsbildern gegeben:

Verlaufsbeobachtung von HIV-positiven Pati­en­ten

Immunschwäche mit gehäuften bakteriellen und viralen Infektio­nen

Verlaufsbeobachtung bei Patienten mit Au­toim­munerkrankungen (LE)

Patienten mit immunsuppressiver Therapie

Tumorpatienten

Diagnose unklarer Lymphozytose (DD zur CLL)

Überwachung von Transplantationen


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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