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Lexikon zum Laborbefund

a-1-Antitrypsin

a-1-Antitrypsin ist ein Proteinaseinhibi­tor (Pi), dessen Mangel mit chronischen Lungenkrank­heiten und Lebererkrankun­gen assoziiert ist. Das Pi-Gen befindet sich auf dem distalen langen Arm des Chromosoms 14. Das in unserer Bevöl­ke­rung häufigste Allel PiM zeigt eine nor­male Aktivität als Proteaseinhibitor, ebenso wie die meisten anderen bekann­ten Subtypen. Mit einer Häufigkeit von 1:1600 ist der a-1-An­titrypsin-Mangel eine der häufigsten Erbkrank­heiten und wird rezessiv vererbt. Die Pathoge­nese ist noch nicht geklärt, da nicht alle Betrof­fenen erkran­ken. Bis zu 25 % der Kinder mit voll­stän­di­gem a-1-An­titrypsin-Mangel (homo­zy­­gote PiZ-Mu­ta­tion oder kombinierte PiS-/PiZ-Muta­tion) ent­wickeln eine Leberzirrhose, ca. 75 % der be­troffe­nen Erwachsenen er­kranken an chronisch ob­struktiven Lun­generkrankungen. Ein Mangel an a-1-Antitrypsin führt bei Ent­zündungen der Lunge zu einer ver­stärkten prote­olytischen Akti­vität freige­setzter Proteasen (Elastase) aus Gra­nulo­zyten und Makrophagen. Polymere des PI*Z-a1-Antitrypsin akkumulieren in den He­patozyten und bilden Einschluss­körper­chen, was zu einer juvenilen Leberzir­rho­se und hepato­zel­lu­lärem Carcinom führen kann.

Klinisch auffällig werden Personen erst dann, wenn die a-1-Antitrypsin-Konzent­ration auf 30-40% des Normbereiches ab­gefallen ist. Der schwere a-1-Antitrypsin-Mangel kann klinisch auffällig werden. Während im Kindesalter die Erkrankung der Leber im Vordergrund steht, do­miniert bei Erwachsenen die klinische Sympto­matik des Lungenemphysems. Eine Defi­zienz von a-1-Antitrypsin führt zur unge­hemmten Ein­wirkung von freigesetzter Leukozyten-Elastase auf das Elastin der Lungenalveolen und aufgrund fortschrei­tender Zerstörung zum chro­nischen obst­ruktiven Lungenemphysem. Es kommt zu degenerativen Lungen- und Leberver­än­derungen (Emphysemlunge, Leberzir­rhose). In Abhängig­keit von Umweltfakto­ren wie Tabak­rauch und Alkohol liegt das Manifestationsalter bei 30-50 Jahren. Bei 20 % der Träger von Man­gelmu­tan­ten werden schon im ersten Lebensjahr He­pa­titi­den und Cholestasen beobachtet.

Bei Verdacht auf einen a-1-Antitrypsin-Mangel sollte die quantitative Bestimmung im Blut erfol­gen. Stark verminderte Kon­zentrationen des Proteins weisen auf ei­nen homozygoten Defekt hin. Bei Hetero­zygoten werden meist Konzentra­tionen im unteren Normbereich gemessen. Da es sich bei beim a-1-Antitrypsin um ein Akut-Pha­se-Protein handelt, können bei hete­rozygoten Individuen während akut ab­laufender Infektio­nen oder unter Thera­pien mit Östrogenen oder Steroiden aller­dings auch leicht erhöhte Kon­zentrationen gemessen werden. Die Bestimmung des a-1-Antitrypsin-Spiegels im Blut ist daher zur Identifizierung heterozygoter Anlage­träger ungeeignet. die Diagnose kann nur durch die molekulargenetische Typisie­rung der Allele ge­sichert werden.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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