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Lexikon zum Laborbefund

Apolipoprotein E-Genotyp

Die Demenz vom Alzheimer-Typ ist für etwa zwei Drittel der primären Demenzen verant­wortlich. Schätzungsweise 1 Million Deutsche sind betroffen. Ein allmählicher kognitiver Ver­fall mit Gedächtnisverlust und Persönlichkeits­veränderung sind die wichtigsten Symptome der Krankheit. Die altersabhängige Prävalenz steigt mit dem Alter logarithmisch an. Die Prävalenz liegt unter 60- bis 70jährigen bei etwa 0,3 Pro­zent, bei Menschen zwischen 80 und 89 Jahren bei etwa 10 Prozent. Familienun­tersuchungen sind sinnvoll, da heterozy­gote und insbesondere homozygote An­gehörige besonders gefährdet sind. Die Ermittlung des Apo E-Polymorphismus gehört zur Risikoabschätzung der Alzhei­mer-De­menz Erkrankung.

Ein neurodegenerativer Prozess führt im Gehirn zu histologischen Veränderungen an Nervenzel­len. An sog. senilen Plaques und an Neurofibril­lenbündeln hat man Ablagerungen von Amyloid-Proteinen ge­funden.

Apolipoprotein E (Apo E) ist ein Lipopro­tein, das neben Cholesterin auch Amyloid bindet. Typ E4 bindet 4-mal so stark wie Typ E3. Gehirne von Alzheimer-Patienten weisen höhere Amy­loid-Ablagerungen auf als an­dere Patienten.

Die Alzheimer-Demenz tritt in den aller­meisten Fällen sporadisch auf, und eine direkte Verer­bung konnte nur selten nachgewiesen werden. Für die familiären und sporadischen Fälle mit spätem Krankheitsbeginn ist die Prädiktion des Apo E-Genotyps von großer Bedeutung. Keine der 3 Varianten (Allele) des Apo E-Gens löst die Demenz alleine aus. Weitere noch nicht be­kannte genetische und Um­weltfaktoren sind da­zu notwendig. Der Apo E4-Genotyp hat je­doch einen deutli­chen Einfluss auf das Erkran­kungsri­siko. Im Vergleich zu einer 15-prozenti­gen Verbreitung im Bevölkerungsdurchschnitt ist der Apo E4-Genotyp sowohl bei familiä­ren als auch bei den sporadischen Alz­heimer-Pati­en­ten mit spätem Krankheits­beginn mit 58 bzw. 40 Pro­zent signifikant überrepräsentiert. Bei spo­ra­di­schen Fällen hat man ein dreifach erhöhtes Er­kran­kungsrisiko von Trägern des heterozygo­ten Apo E4-Genotyps (Apo E2/4 oder Apo E3/4) festgestellt. Homozygote Merkmals­träger (Apo E4/4) haben ein noch höheres Erkrankungsrisiko (Gen-Dosis-Effekt). Bei den selteneren familiä­ren Erkrankungen steigt das Risiko für Angehö­ri­ge von 20 % (ohne Apo E4) auf 47 % (bei he­te­rozygo­ten Apo E2/4 oder Apo E3/4) auf über 90 % (bei homozygoten Apo E4/4-Geno­typ), mit 80 Jahren an der Alzheimer De­menz zu erkran­ken.

Die klinische Diagnose Morbus Alzheimer wird durch Tests der geistigen Fähigkeiten des Ge­hirns gestellt. Eine sichere Diag­nose ist bislang nur neuropathologisch möglich. Eine Abklärung des Risikos ge­lingt durch die Apolipoprotein E-Genotyp­bestimmung. Die Gene für Apo E sind auf Chromosom 19 lokalisiert. Die spezifische DNS kann mittels molekular-biologischer Me­thoden aus kernhaltigen Zellen (z.B. Leukozy­ten) isoliert, mit der PCR amplifi­ziert und die ein­zelnen Basenmutationen mit hybridisierenden Sonden nachgewie­sen werden.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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