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Lexikon zum Laborbefund

Lactoseintoleranz

Die Lactose-Intoleranz (Milchzuckerun­ver­träg­lichkeit) ist eine der häufigsten Verdau­ungsstö­rungen. Verursacht wird sie durch einen Mangel oder eine verminderte Aktivität des milchzu­cker­spaltenden En­zyms Lactase. Zur Absorption wird Lactose im Dünndarm durch das Enzym Lactase in Glukose und Galactose aufgespal­ten. Fehlt dieses Enzym oder ist zu we­nig davon vor­handen, kann die Lactose nicht oder nur man­gel­haft verdaut werden. Der nicht abgebaute Milch­zucker führt zu ei­nem osmo­tisch bedingten Ein­strom von Wasser ins Dünn­darmlumen und zu einer Verflüssigung des Darminhalts. Darüber hinaus gelangt Lactose im weiteren Ver­lauf in den Dickdarm, wo er einer Fer­mentation durch die dort ansässige anae­robe Keimflora unterliegt. Dabei werden größere Mengen an Gasen gebil­det (Was­serstoff, Me­than). Sowohl die Gasbil­dung als auch das os­motische Ungleichgewicht sind für die bei der Lactoseintoleranz auf­treten­den Beschwerden wie Durchfall, Blähungen und Darmkrämpfe verantwort­lich.

Man unterscheidet zwischen:

1. angeborenem (primären) Lactaseman­gel: Diese Form des Lactasemangels ist erblich be­dingt und mit einer bestimmten genetischen Konstitution (homozygoter Genotyp an Position -13910 des LCT-Gens) assoziiert. Die Lactase­produktion liegt im Kindes- und Jugendalter meistens noch vor und bildet sich erst in späteren Lebensjahren, bzw. nach der Pubertät, zu­rück. Die Lactaseaktivität in der Dünn­darmschleim­haut wird im Verlauf so nied­rig, dass Milch oder milchzuckerhaltige Lebensmittel, in größeren Mengen ver­zehrt, Beschwerden auslösen kön­nen.

2. erworbenem (sekundären) Lactase­mangel: Diese Art eines Lactasemangels ist nicht gene­tisch bedingt, sondern er­worben, z.B. durch be­stimmte Erkrankun­gen, wie chronisch entzündli­che Darmer­krankungen (Morbus Crohn, Colitis ulce­rosa), Zöliakie, bakterielle Infektionen oder Pilzinfektionen des Darms, Darmgrippe, Ma­gen- und Darmoperationen, sowie durch die Gabe von Antibiotika oder Zy­tostatika. Nach er­folgreicher Behandlung bildet sich die erwor­bene Milchzu­cker-Un­verträglichkeit wieder zu­rück.

3. angeborenem komplettem Lactase­mangel (= Alactasie): Hierbei handelt es sich um einen an­geborenen, sehr selte­nen Enzymdefekt mit kom­plettem Lactasemangel.

Bei manchen genügen bereits kleinste Mengen an Milchzucker, um die entspre­chenden Verdau­ungsprobleme auszulö­sen. Eine Lactose-Intole­ranz kann sich nicht nur aufgrund der gastroin­testinalen Symptomatik nachteilig auswirken. Viel­mehr hat eine langfristige Belastung des Darms mit unverdauter Lactose aus Milch und Milchprodukten möglicherweise auch Verdau­ungsstörungen und eine verän­derte Darmperme­abilität zur Folge. Hier­durch wird der Boden für so unterschiedli­che Erkrankungen wie z.B. Nah­rungsmit­telallergien, Autoimmun- oder Gelenk­er­krankungen bereitet. Während bei Säug­lingen die Funktion der Lactosespaltung normalerweise sehr gut funktioniert, verlie­ren manche Men­schen mit zunehmendem Alter diese Fähigkeit. In Europa sind etwa 15 % der Bevölkerung da­von betroffen.

Prinzipiell lassen sich funktionelle und gene­ti­sche Testverfahren unterscheiden. Bisher wurde der Lactasemangel mit dem Lactose-In­toleranz-Test, dem aufwendi­gen Lactose-Atem­test oder im Biopsat di­agnostiziert. Mit dem Nachweis des Ge­notyps an Position -13910 des LCT-Gens lässt sich die unter 1. genetisch be­dingte Form der Lactose-Intoleranz nachweisen. Folgende Genvarianten können auftreten:

Genotyp-13910 C/C: primärer Lactase­mangel (10-20 % unserer Bevölkerung)

Genotyp-13910 C/T: primärer Lactase­mangel ist unwahrscheinlich (ca. 30 % un­serer Bevölke­rung)

Genotyp-13910 T/T: primärer Lactase­mangel ist ausgeschlossen (ca. 50 % unserer Be­völke­rung)

Sekundäre Ursachen eines Lactaseman­gels soll­ten ausgeschlossen werden.

 Eine lactosearme oder -freie Kost sollte ein­gehalten werden. Die Empfindlichkeit gegenüber Milchzucker ist bei jedem Be­troffenen anders. Einige können durchaus Milch im Kaffee vertra­gen, andere be­kommen bereits bei den gerings­ten Men­gen von Milchzucker Durchfall. Die Lacto­seintoleranz ist nicht lebensbedrohlich, ein Verstoß gegen die Diät führt zu oben be­schrie­benen klinischen Beschwerden. Lactose kommt insbesondere in Milch, Butter, Margarine, aus saurer Milch her­gestellte Produkte, Käse, Milch­pulver, Backwaren, Schokolade und in vielen Me­dikamenten vor.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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