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Lexikon zum Laborbefund

N-Acetyltransferase 2 (NAT2)

Liegt bei Genen, die die körpereigene Metaboli­sierung von Fremdsubstanzen regulieren, eine Mutation vor, kann dies zu einem erhöhten Tu­mor-Risiko oder einer ausgeprägten Medikamen­tenun­verträglichkeit führen. Bisher wurde eine Reihe von Proteinklassen identifiziert, die eine Medikamentenwirkung beeinflussen können. Als Schlüsselenzyme gelten z. B. die N-Ace­tyltrans­ferase 2 (NAT2) und das Cytochrom P450.

NAT2 wird in der Leber gebildet und ist an der Metabolisierung beteiligt, sie heftet Acetylreste an Arzneistoffe an. Bisher konnten mehrere Po­lymorphismen identi­fiziert werden, die zu unter­schiedlichen Erscheinungsformen des Enzyms führen und mit einer verminderten Acetylierung­saktivität und Medikamentenabbaurate in Ver­bindung stehen.

Man unterscheidet vier verschiedene Po­ly­morphismen (M1, M2, M3 und M4), die mit unterschiedlichen Allelfrequenzen vor­kommen. Bei Europäern ist der M1-Poly­morphismus mit 45 Prozent am häufigsten vertreten. Menschen, die Wildtypgene aufweisen, gehören zur Gruppe der „schnellen Acetylierer“. Bei ihnen werden Substrate der NAT2 schnell verstoffwech­selt und aus dem Körper ausgeschieden. Bei Men­schen mit einer Mutation in einem der beiden NAT2-Allele nimmt man eine normale Enzym­funktion an, da ein Allel ein intaktes Enzym ko­diert. Dagegen spricht man bei Menschen mit ei­ner homozygoten Mutation bzw. bei mehreren Einzelmutati­onen von sogenannten „langsamen Ace­tylierern“. Langsame Acetylierer erkranken häufiger an Blasen- und Lungenkrebs, wenn sie mit umweltbedingten Karzinoge­nen in Kontakt kommen. Frauen in der Postmenopause, die langsame Acetylierer sind, haben im Fall von Nikotinabusus ein erhöhtes Mammakarzinomri­siko.

Das Cytochrom P450, das am Abbau von mehr als einem Viertel aller Medikamente beteiligt ist, repräsentiert eine Enzym-Su­perfamilie, die in 13 Genfamilien mit zahl­reichen Unterfamilien ein­geteilt wird. Mehr als 70 verschiedene Enzyme sind auf Grund der Basensequenz der Gene oder der Aminosäuresequenz bei verschiede­nen Spe­zies charakterisiert worden. Bei allen handelt es sich biochemisch gese­hen um Monooxygenasen, die in der Membran des endoplasmatischen Re­tiku­lums lokalisiert sind. Sie sind für die oxi­da­ti­ve Biotransformation zuständig, indem sie ein Atom des molekularen Sauerstoffs auf passende Sub­stratmoleküle übertra­gen, unter anderem auch auf viele Arznei­stoffe.

Mit einem Gentest können Veränderungen in der Gensequenz von solchen detoxifi­zierenden En­zymen untersucht werden, die einen Einfluss auf die Synthese des entsprechenden Enzyms und seine Sub­stratumsatzgeschwindigkeit haben. Ent­sprechende Gentests sind empfehlens­wert bei Patienten mit nachgewiesenen Unverträglich­keiten gegenüber bestimm­ten Medikamenten oder dauerhafter Be­lastung mit bestimmten Schadstoffen.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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