Lexikon zu Ihrem Laborbefund

Mit onlinebefunde können Laboraufträge jetzt einfach und schnell elektronisch erfasst werden – das System spart Ihnen Zeit und Ressourcen.

Lexikon zum Laborbefund

TPMT (Thiopurinmethyltransferase)

Thiopurinmethyltransferase (TPMT) ist ein En­zym, das beim Abbau von Azathioprin (Imu­rek) eine wichtige Rolle spielt. Azathi­oprin wird nach Aufnahme in den Körper in die Sub­stanz 6-Mer­captopurin (Puri-Nethol) umgebaut. 6-Mercap­topurin wie­derum wird in den Zellen des Kör­pers durch verschiedene Enzyme weiter verstoffwechselt. Die entstehenden Zwi­schen­produkte sind für die eigentliche Wirkung des Medikaments verantwortlich ist.

Eingesetzt wird Imurek bei Patienten mit Auto­immunhepatitis, chronischer Polyarth­ritis, Lupus erythematodes, Colitis ulce­rosa, Morbus Crohn, Leukämien sowie bei Transplantatempfängern.

Liegt nun eine eingeschränkte oder gar fehlende Aktivität des Enzyms TPMT vor, so kann es aufgrund des verlangsamten Abbaus von 6-Mer­captopurin zu einer Art „Überdosierung“ der Wirksubstanz mit ver­mehrten Nebenwirkungen, u. a. einer ausge­prägten Myelosuppression mit Neutropenie, kommen, da nicht abgebaute Thio­purine im hä­matopoetischem Gewebe akkumu­lieren.

Man unterscheidet drei Arten der TPMT-Akti­vität. Über 90 % haben eine normale bis hohe TPMT-Aktivität, ca. 10 % haben eine niedrige TPMT-Aktivität und nur 0,3 % besitzen prak­tisch keine TPMT- Aktivi­tät. Die Patienten mit einer normalen bis hohen TPMT- Aktivität kön­nen bei regel­mäßigen Kontrolluntersuchungen mit Azathioprin behandelt werden.

Auch die  ca. 10 % der Patienten, die eine nied­rige TPMT-Aktivität aufweisen, kön­nen mit ei­ner geringeren Azathioprindosis als üblich von dieser immunsuppressiven Therapie profitieren. In jedem Fall sind während der Behandlung mit Azathioprin regelmäßige sorgfältige Kontroll­untersu­chungen notwendig, um eventuell auftre­tende Nebenwirkungen der Therapie früh­zeitig zu erkennen. Patienten jedoch, die keine TPMT- Aktivität aufweisen, dürfen wegen des erhöhten Nebenwirkungsrisi­kos nicht mit Azathioprin be­handelt wer­den.

Drei verschiedene Genvarianten sind für 80 % aller TPMT-Defizite verantwortlich. Ca. 10 % der weißen Bevölkerung tragen heterozygot eine dieser TPMT-Variante, ca. 0,3 % sind homozy­got. Homozygoten Träger bekannter Genvarian­ten des TPMT-Gens  fehlt die TPMT-Enzym­ak­ti­vität komplett, heterozygote Träger ha­ben eine verminderte Enzymaktivität.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


Suche