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Lexikon zum Laborbefund

EBV (Epstein Barr-Virus)

Die klassische infektiöse Mononukle­ose (IM) be­trifft vor allem Jugendliche und junge Er­wachsene („kissing di­sease“). Die patho­geneti­sche Grund­lage für das Krankheitsbild der IM be­ruht auf der Infek­tion von B-Lymphozy­ten mit dem EBV-Vi­rus ein behülltes, doppel­strängiges DNA-Virus aus der Familie der Her­pes­viridae, und der dagegen gerichteten im­munologi­schen Antwort. Verschiedene Tumoren wer­den im Zu­sammenhang mit der EBV-In­fektion gebracht, z. B. die B-Zell-Lymphome beim immunsuppri­mierten Pati­enten, das en­demische Burkitt-Lym­phom und das Naso­pharynxkarzi­nom.

Antikörper bei EBV-Infektion

Bei der primären Infektion wird das Vi­rus mit dem Speichel übertragen und befällt die pharyn­gealen Plattenepithe­lien, wo es sich vermehrt und folgende Antigene exprimiert:

EBNA (EBV-Nuclear Antigen), VCA (Vi­rus-Cap­sid-Antigen), EA (Early-An­tigen).

Die akute EBV-Infektion kann vor al­lem bei jün­geren Kindern klinisch inapparent verlaufen oder durch respi­ratorische Be­schwerden auffallen. Manch­mal tritt eine Angina mit weißli­chen Be­lägen auf. Wenn diese dann mit einer Strepto­kokken-An­gina ver­wechselt und ohne weitere La­bor­dia­gnostik mit Penicillin behandelt wird, kann es zu zu einem großflächigen Exanthem kommen. Weitere häufige Sym­ptome einer aku­ten EBV-Infektion sind Fieber bis 39 Grad und Lymph­knoten­schwellungen am Hals. Seltene Komplika­tionen sind Milzruptur, hä­molytische Anä­mie, Thrombopenie oder neurologischen Er­scheinungen wie das Guillain-Barré-Syndrom. Bei Immundefizienzen soll es zu einer Chronifi­zierung mit deutlicher Ein­schränkung der physi­schen und psychi­schen Leistungsfähigkeit kom­men.

Der Nachweis von heterophilen Anti­kör­pern in­folge polyklonaler Prolifera­tion der B-Zellen (Paul-Bunnell, Mono­nukleose-Schnelltest) ist nicht EBV-spezifisch. Es finden sich falsch nega­tive Resultate bei 10-15 % der Erwach­senen und 50 % der Kinder unter 4 Jahren.

VCA-IgG ist zu Beginn der Erkrankung po­sitiv und bleibt auch lebenslang po­sitiv.

VCA-IgM ist bei Erkrankungsbeginn po­si­tiv und sinkt innerhalb der ersten Monate der Erkran­kung wieder ab.

EA-IgG wird später als VCA-IgG posi­tiv, um dann wieder abzusinken. Per­sistie­rende oder wieder positive EA-IgG-Werte können auf eine persistie­rende, bzw.  re­aktivierte EBV-Infektion hinweisen.

EBNA1 ist anfangs negativ, wird erst später po­sitiv und zeigt damit eine ab­ge­laufene Infektion an. Bei einer chroni­schen Erkrankung  kann EBNA1 negativ bleiben.

Insbesondere bei Patienten mit Im­munde­fizien­zen wie immunsupprimie­rende The­rapien, HIV oder auch im fortgeschrittenen Alter kann die In­ter­pretation der Serologie problematisch sein.

Erkrankung

VCA-IgM

VCA-IgA

VCA-IgG

EA-D-IgA

EA--D-IgG

EA--R-IgG

EBNA

Akute  Mononukleose (MN)

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kürzlich durchge­machte MN

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längerer zurücklie­gende MN

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Burkitt TU

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Nasopharyngeal Ca.

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Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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