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Lexikon zum Laborbefund

Humane-Papillomaviren

Das humane Papillomavirus (HPV) ist die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufe, die zervikale intraepitheliale Neoplasie. HPV ist ein kleines, nicht umhülltes Virus mit doppelsträngigem DNA-Genom.

Humane Papillomaviren sind weltweit die häu­figsten Erreger sexuell über­tragbarer Viruser­krankungen. Häu­figstes klinisches Zeichen sind die be­nignen genitoanalen Warzen. HPV-Infek­tionen verlaufen in der Regel voll­ständig asymp­tomatisch und bil­den sich schnell zurück. Eine Verwechs­lung mit anderen harmlosen Er­kran­kun­gen ist möglich, wenn seltene Be­gleit­sym­ptome wie Juckreiz, Brennen und Fluor auf­treten. Der Altersgipfel liegt im frühen Erwach­senenalter. Hauptrisikofaktor ist die individuelle Promiskuität.

Häufigste Komplikation der genitoa­nalen HPV-Infektion ist die die Begüns­tigung ei­ner malig­nen Entartung von Genitaltumo­ren. Es gibt mehr als 100 verschiedene HPV-Genotypen, von de­nen etwa 40 die Genitalschleimhaut des Men­schen infizieren können. Nur ein Teil der HPV-Ge­notypen wird mit hochgradiger zer­vikaler Dys­plasie und Gebärmutterhalskrebs in Ver­bindung gebracht. Diese werden als Geno­typen mit erhöhtem Risiko bezeichnet. Geno­typen mit geringem Risiko werden eher mit gut­artigen niedergradigen intraepithelialen Lä­sio­nen oder Kondylomen (Feigwarzen) in Ver­bindung ge­bracht. Bis vor kurzem waren 13 HPV-Geno­typen mit erhöhtem Risiko bekannt. Ak­tuell gibt es vermehrt Hinweise darauf, dass mit HPV-Genotyp 66 ein vierzehnter Genotyp mit er­höhtem Gebärmutterhalskrebs-Risiko verbun­den ist. Generell ist der mehrmalige Nachweis des­selben HPV-Genotyps bei einer Patientin pro­gnostisch ungünstig.

Zur Diagnose von HPV im Rahmen der Vorsorge gegen Gebärmutterhalskrebs stehen zwei grundsätzlich verschiedene Verfahren zur Verfügung. Beim sogenannten Pap-Abstrich wer­den die entnommen Zellen gefärbt und zytologische Veränderungen mikroskopisch beurteilt. Hierbei sind sowohl falsch-positive Befunde durch inflammatorische Veränderungen als auch falsch-negative Befunde durch die schwierige mikroskopische Interpretation mög­lich. Nicht eindeutige Befunde werden nor­malerweise durch Wiederholung des Pap-Abstrichs, Kolposkopie und Biopsie abgeklärt.

Als Alternative zum Pap-Abstrich (und zu den invasiven Verfahren nach nicht eindeutigem Pap-Abstrich) steht der molekularbiologische Nachweis des Erregergenoms zur Verfügung. Hierbei wird üblicherweise ein Abstrich durch­geführt, das Erbmaterial des Virus aus dem Pa­tientenmaterial extrahiert, ein Abschnitt der Vi­rus-DNA über Polymerasekettenreaktion amp­li­fiziert und schließlich zur Identifizierung mit für die HPV-Genotypen spezifischen Sonden hybridisiert.

Die HPV-Impfung bietet einen maxi­malen Schutz gegen die 4 wichtigsten HPV-Ty­pen (6, 11, 16 und 18) und re­duziert somit das Risiko an Gebär­mutterhalskrebs zu erkranken um ca. 70 % und an Genitalwar­zen zu erkran­ken um 90 %. Bei jungen Menschen vor Beginn der se­xuellen Akti­vität ist die Wirksamkeit am höchs­ten, aber auch für bereits sexuell aktive Personen bietet die HPV-Impfung eine hohe Schutzwirkung.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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