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Lexikon zum Laborbefund

Parvoviren

Ringelröteln (Erythema infectiosum) ist eine Kin­derkrankheit mit relativ mildem Verlauf, hervorgerufen durch das Par­vovi­rus B 19, das aus einem einzelnen unver­hüllten Strang DNA besteht. Charakteris­tisch ist das fleckige Exan­them im Gesicht mit Übergehen auf die Streck­seiten der Extremitäten. Typisch ist das girlan­den­förmige Aus­sehen des Exanthems. Sons­tige Sym­ptome sind begleitende Lymph­kno­ten­schwellungen, grippale Erschei­nungen sowie Fieber, Juckreiz, Myalgien und Kopf­schmerzen in der Prodromalzeit. Die Inku­ba­tionszeit beträgt zwischen 10 und 20 Tagen, eine Virämie besteht zwischen dem 3. und 16. Tag.

Arthropathie: Vor allem bei Erkrankun­gen im Erwachsenenalter kann die Infektion mit Par­vovi­rus B 19 zu lang andauernden Arthral­gien und Arthit­iden von Knie-, Hand- und Finger­gelen­ken führen, die diffe­renti­aldiagnos­tisch von der chroni­schen Polyarthritis abzugren­zen sind.

Aplastische Krise: Bei chronisch hä­molyti­schen Anämien kann ein Parvovi­rus B 19-Befall zu aplastischen Krisen führen (z.B. bei Sichelzell­anä­mie, Thalassämien, here­ditäre Sphäro­zytose). Ebenso betroffen sind immundefiziente Patien­ten, z. B. mit HIV-Infektion oder anderen er­worbe­nen oder angeborenen Immunmangel­syn­dro­men.

Fetopathie: Bei Erstinfektion in der Schwanger­schaft kann es zur diapla­zenta­ren Übertragung des Parvovirus B 19 auf den Feten kommen. Die La­tenzzeit zwi­schen Beginn der Infektion und der fetalen Symptomatik beträgt bis zu 80 Ta­gen. In ca. 30 % der Fälle kommt es zum Hydrops fetalis bzw. zum Abort.

Durch Nachweis von Parvovirus B 19 - spezifi­schen IgG- und IgM-AK im ELISA-Verfahren kann zwischen „noch Empfäng­lichkeit“, „Immu­nität“ und „fri­sche Infek­tion“ unterschieden wer­den. Bei einer fri­schen Infektion können nach frühestens zwei Wochen IgM-AK nachgewiesen werden. Daher sollte bei einer fraglichen Infek­tion ein AK-Status erhoben werden, da durch Im­munglobulingabe eine passive Immuni­sierung versucht werden kann.

Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung, eine Post­expositi­onsprophylaxe durch Im­munglobulingabe kann bei fehlender Immunität versucht werden.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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