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Lexikon zum Laborbefund

RSV

Respiratorisches Syncytial-Virus (RSV) ist ein einzelsträngiges, umhüll­tes RNA-Virus aus der Gruppe der Pa­ramyxoviren. RSV ist der am häufigsten bei Bronchiolitiden und Pneumonien bei Kleinkindern nachgewie­sene Erreger. Das Virus ist weltweit verbreitet und kommt ganz­jährig vor, jedoch zeigt sich eine Häufung in den Winter­monaten zwischen November und März. Die Übertragung er­folgt als Tröpfcheninfektion, Aerosol-  und  Schmierinfektion über kontami­nierte Gegenstände (wie etwa Spielzeug).  Die In­kubationszeit beträgt etwa 4 Tage (2-7), In­fektiosität besteht von Symptombeginn an für et­wa 3 Wochen bei Erstinfektion, bei Rein­fek­tion etwa 8 Tage.

Die Durchseuchungsrate ist im Erwachsenenalter nahezu 100%, dabei ist die Inzidenz in den ersten 2 Lebensmonaten am höchsten, maternale Antikörper bieten keinen ausreichen­den Schutz.  Bereits im Alter von 2 Jahren haben 95% der Kin­der eine RSV-Infektion durchgemacht. Die Infektion hinterlässt keine sichere Immunität, somit sind Reinfektionen häufig.

Die Erstinfektion verläuft mit Fieber, Husten, Schnupfen sowie einer Konjunktivitis und Otitis Media. In etwa der Hälfte der Fälle kommt es zu einer Beteiligung des Respirations­trakts mit  Pseudokrupp, Bronchitis, Bronchiolitis bis hin zur interstitiellen Pneumonie, häufig ist eine asth­maähnliche Sym­ptomatik. Reinfektionen ver­­­laufen meist milde. Etwa 50 % der Bron­chiolitiden und etwa 25 % der Pneumonien von Säuglingen und Kleinkindern sind durch eine Infektion mit RSV bedingt, etwa 2% aller RSV-Infektionen bei Kleinkindern verlaufen tödlich. Besonders gefährdet sind Früh­geborene, Kinder mit pulmonalen Vorer­krankungen und konge­nitalen Herzfehlern, die mit vermehrter Lungen­durchblutung einherge­hen (durch Ausbil­dung einer irreversiblen Hypoxämie kommt es zu einer Letalität von bis zu 75 %), sowie pul­monal und kar­dial vorer­krank­te Erwachsene und Immun­supprimierte aller Al­ters­­gruppen (Letali­tät bei Knochen­marktransplantierten bis zu 50%). Nosokomiale Infektionen mit Übertra­gung durch Perso­nen mit milder Symptomatik sind möglich und bei o.g. Patien­ten bedeutsam; RSV zählt zu den wichtigsten Erregern noso­komialer Infekti­onen bei Säuglingen und jungen Klein­kindern. Differentialdiagnostisch sind In­fek­tionen durch andere respira­torische Viren (z.B. Influenza-, Adeno-, Parainfluenza-, Meta­pneumovirus) so­wie Mycoplasma pneumoniae und Chlamydien zu beachten.

Neben der Virusisolation als Goldstandard ist die PCR das zu­verlässigste Nachweisverfahren aku­ter RSV-Infektionen. Der preisgünstigere Antigennachweis (EIA) ist gegenüber der PCR weniger sensitiv, liefert aber insbesondere bei Säuglingen und Klein­kindern (höhere Virus­ausscheidung) während der RSV-Saison eine Sen­sitivität von bis zu 90%. Bei immun­sup­primierten Erwachsenen ist die Sen­sitivität jedoch deutlich eingeschränkt.

Der Nachweis von Antikörpern spielt zur Diagnostik der akuten Infektion keine Rolle, da die Erstinfektion im Säuglingsalter aufgrund der kurzen Inkubationszeit nicht zuverlässig erfasst wird (Antikörper sind erst etwa 1-2 Wochen nach Symptombe­ginn nachweisbar und nur bei Serokonversion relevant); bei Rein­fektionen ist der Anstieg von IgM- und IgA-Antikörpern oft nicht ausreichend hoch.

Zur Diagnostik eignen sich Nasen- und/ oder Rachenabstriche (Nasenabstriche sind aufgrund der so gewonnenen virusbefal­lenen Epithelzellen besser geeignet), hierbei ist darauf zu achten, Abstriche ohne Transportmedium zu verwenden. Grundsätzlich möglich ist die Diagnostik auch aus Nasen-oder Rachensekret (Aspirat aufgrund des höheren Zellgehalts bes­ser geeignet als Spülflüssigkeit), Trachealsekret sowie  bron­cheo­alveolärer Lavageflüssigkeit. Visköse Ma­teri­alien wie z.B. Sputum sind aufgrund verrin­ger­ter Sensitivität der Untersu­chungsverfahren nicht geeignet.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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