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Lexikon zum Laborbefund

Tollwut (Lyssa, Rabies)

Tollwut, verursacht durch behüllte RNA-Vi­ren, der Gattung Lyssaviren, ist eine seit Jahrtausen­den bekannte Vi­rusinfektion, die bei Tieren und Men­schen eine akute lebensbedrohliche En­zephalitis (Gehirnent­zündung) verur­sacht. Die häu­figste Übertra­gungsart auf den Menschen ist der Biss von infizierten Hunden oder Füchsen, aber auch von Katzen und an­dere Tieren. Aber auch kleinste Verlet­zungen der Schleimhäute kön­nen das Eindringen des Virus ermögli­chen. Etwa 20 bis 50 Prozent der ge­bissenen Perso­nen erkrankt an Toll­wut. Die Inkubations­zeit beträgt in den meisten Fällen drei bis zehn Wochen.

Es kommt zu Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmer­zen, Durchfall und eventuell Husten. Im weite­ren Verlauf kommt es zu Reizbarkeit und Empfindlichkeit gegen Licht, Geräusche und Luftzug. Die Steigerung weiterer zent­ralnervösen Symptome Angst, Verwirrtheit und Aufregung, verbunden mit Schluck- und Sprechlähmungen führen zu den na­mensgeben­den Wesensänderungen und Schaumbildung vor dem Mund.

Es gibt keine Therapiemöglichkeit ge­gen Toll­wut. Prophylaktisch sollten sol­che Per­sonen ge­impft werden, die in Länder mit erhöhter Toll­wutverbreitung reisen oder die beruflich viel Kontakt mit einheimi­schen Wildtieren haben. Serologisch posi­tive Befunde lassen sich erst bei fortge­schrittenem Krank­heitsverlauf erheben, der Nachweis eines positiven Impfantikör­pertiters ist möglich.

Toxocara canis

Durch die orale Aufnahme von Larven von Toxocara canis, dem weltweit verbreiteten Spulwurm der Hunde, kann sich auch der Mensch infizieren. Infektionen mit Toxocara cati, dem Katzenspulwurm, sind extrem selten. Die Seroprävalenz von Toxocara canis liegt in Deutsch­land bei bis zu 10 %, in den ost­euro­päischen Ländern sogar bis zu 18 %.

Die Eier von Toxocara canis werden mit dem Kot des Hauptwirtes, dem Hund, ausgeschieden. Die ausgeschiedenen Eier reifen dann über ca. vier Wochen im Freien zu Larven, bevor sie infektiös sind. Die Infektion des Menschen erfolgt durch die orale Aufnahme von Eiern in Sand, Erde, Nahrungsmitteln oder Wasser. Die Lar­ven können die menschliche Darmwand durch­brechen, erreichen jedoch, da der Mensch für sie ein Fehlwirt darstellt, in der Regel nicht die für ihre Weiterentwicklung notwendigen Or­gane Leber und Lunge; die Infektion verläuft meist nach zwei bis drei Wochen selbst­limitierend, dennoch können sie - bei aus­reichend hoher Larvenaufnahme - in praktisch allen Organen eine klinische Symptomatik abhängig von Larvenzahl, betroffenem Gewebe und immunologischer Lage hervorrufen.

Die klinischen Erscheinungen sind vielfältig von allgemeiner Abgeschlagenheit, Fieber, Hepato­splenomegalie, gastrointestinalen und pulmo­na­len Beschwerden (Larva-migrans-visceralis-Syn­drom) bis hin zu einer Manifestation in den Au­gen (okuläre Larva migrans).

Neben der bei Wurmerkrankungen häufig auf­tretenden Eosinophilie lassen sich serologisch IgM- und IgG-Ak nachweisen, wobei Kreuz­reaktionen mit anderen Nematoden zu beachten sind. Ein Direkt­nachweis ist nicht möglich.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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