Lexikon zu Ihrem Laborbefund

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Lexikon zum Laborbefund

Spezielle Durchfallerreger

Gattung Noro (ehemals Norwalk-Like-)Virus

Stichworte

Noroviren  (NLV), Ge­nogruppe 1 und 2, Virale Gastroenteri­tis, Nah­rungsmittelkontamination

Vorkommen

Norwalkviren (NLV) sind single-stranded-RNA Viren, früher bekannt auch unter dem Begriff small round-structured viruses (SRSVs). Sie ge­hören zur Familie der Ca­liciviren. Drei unter­schiedliche Genogrup­pen sind bekannt, die Gruppen 1 und 2 sind humanpathogen, die Grup­pe 3 ist tierpathogen. Obwohl Rotaviren die häu­figste Ursache viraler Gastroenteritiden bei Kindern sind, werden in Studien als auslösendes Agens NLV in 10-20 % ge­nannt. NLV führen auf Grund ihrer hohen Kontagiosität immer wieder in Gemein­schaftseinrichtungen, vor allem auch in Alten- und Pflegeheimen aber auch Kran­ken­häusern zu Ausbrüchen. Der fäkal-orale Über­tragungsweg ist wahrscheinlich der häufigste. Tröpfchen- sowie Person-zu-Person-Infektionen, Kontakt mit Erbro­chenem sowie anderen Aus­scheidungen der Patienten, begünstigen die Aus­brei­tung. Primäre Fälle sind meist auf konta­mi­niertes Wasser oder Nahrungsmittel zu­rückzu­führen. Knapp 40 % werden in Re­staurants er­worben (CDC, 2001), beson­ders Schalentiere werden häufig genannt, aber auch andere Nah­rungsmittel kom­men in Frage.

Klinik

Die NLV-Gastroenteritis hat eine durch­schnittli­che In­kubationszeit von 12-48 h, die Sympto­matik dauert 12-60 h. Die In­fektionsdosis ist mit <100 viralen Partikeln äußerst gering. Die Er­krankung beginnt akut mit Übelkeit, Erbrechen sowie abdo­minellen Krämpfen und Diarrhöen. Erbre­chen scheint bei Kindern häufiger zu sein, während die Diarrhöe bei Erwachsenen das vor­herrschende Symptom ist. Kopf­schmerzen, Fie­ber, Schüttelfrost sowie My­al­gien sind häufige Begleitsymptome. Selten tritt eine schwere De­hydrierung auf. Die Virusausscheidung beginnt ca. 15 h nach Aufnahme mit der höchsten Aus­scheidungsrate nach 25-72 h. Das Virus wird in der Regel länger als 2 Wochen ausgeschieden, die Patienten sind meist asymptomatisch. Die Bedeutung der Aus­scheidungsdauer hinsichtlich der Kontagi­o­sität ist noch unklar. Eine fehlende Lang­zeitimmuni­tät kann zu wiederholten Infek­tionen führen.

Probenmaterial

Nachweis mit Hilfe einer RT-PCR aus Stuhl oder Erbrochenem

Der Antigennachweis mittels EIA erfolgt aus ei­ner Stuhlprobe (ca. 10 ml). Die Un­tersuchungs­probe sollte während der Phase der akuten Er­krankung gewonnen werden (innerhalb der ers­ten 24-48h), solange der Stuhl noch wässrig ist.

Prävention

Neben den seuchenmedizinischen prä­ventiven Maßnahmen, spielt insbesondere die Kontrolle von Ausbrüchen in Gemein­schaftseinrichtungen eine wesentliche Rolle. Eine Isolierung der Pati­enten, auch als sog. Kohortenisolierung möglich, ist anzustreben. Einer Flächen- und Händedesin­fektion kommt bei der Eindämmung von Aus­brüchen durch die Umweltresistenz des Virus, einer verringerten Wirksamkeit der üblichen Händedesinfektion und der geringen Infektions­dosis besondere Bedeutung zu. Falls kein spe­zielles Präparat (z.B. Sterillium Virugard) ver­fügbar ist: Verdopplung der Händedesinfekti­onszeit.

Diagnostik

Antigennachweis (PCR), es werden die Ge­nogruppen 1 und 2 unterschieden.

Therapie

Symptomatische Therapie, kausale The­rapie nicht bekannt.

Kryptosporidien

Vorkommen

Kryptosporidien sind weltweit bei Haus- und Nutztieren, besonders bei Kälbern verbreitet. Die Übertragung erfolgt meist durch kontaminiertes Wasser und auch von Mensch zu Mensch. Asymptomati­sche Keimträger bei Menschen sind häu­fig. In den Tropen beträgt die Kryp­tospori­diendiarrhoe bis zu 15 % der Durchfaller­krankungen (Brasilien, Peru, Australien, Ja­maika, Indien).

Aussehen

Die Oozysten sind rund und mit knapp 5 Mik­rometer sehr klein die Sporozoiten messen nur bis 4 Mikrometer.

Eigenschaften/Pathogenitätsfaktoren

Kryptosporidien werden in den letzten Jah­ren zu­nehmend häufiger als Erreger von Enteritiden nachgewiesen. Sie sind Protozoen und gehören zur Klasse der Sporozoiten, eng verwandt mit Balanti­dium coli, anderen Kokzidien, Blasto­cystis hominis und Toxoplasma gondii. Die Kryptosporidien verursachen Durchfaller­kran­kungen bei Kindern (hauptsächlich unter 6 Jah­ren), bei Berufsgruppen mit Tierkontakt, bei Tropenreisenden und bei Patienten mit Immun­defekten (AIDS, ange­borener Immunglobulin­mangel, zy­tostatische Behandlung).

Klinik

Bei immunkompetenten Patienten mani­festiert sich die Erkrankung als selbstlimi­tierende Gastroenteritis und heilt in der Re­gel auch ohne Therapie aus. Der Durchfall dauert zwischen 4 und 11 Ta­gen, begleitend treten Fieber und gas­tro­in­testinalen Symptomen wie Übel­keit und Schmerzen auf.

Im Blutbild kann gelegentlich eine Lympho­penie auftreten. Wesentlich schwerwiegender sind die Symptome und Auswirkungen bei immunin­kompetenten Patienten, bei denen die Diarrhöen sehr schwer verlaufen und persistieren können. Die Inkubationszeit ist etwas kürzer. Die Diar­rhöen sind wässrig, dabei kann die Infektion zu einer sehr starken, lebensbedrohlichen Dehydrie­rung führen. Bei oft monatelanger Persistenz führen sie zu Malabsorptionsstörungen evtl. mit Begleit­pankreatitis.

Diagnostik

Folgende Stühle werden auf Kryptospori­dien un­tersucht:

Patienten mit Verdacht auf Kryptosporidi­ose, Patienten mit Immunschwäche und

Patienten mit flüssigen Stühlen nach Auslands­aufenthalt.

Probenmaterial

Antigennachweis im Stuhl mittels EIA.

Therapie

Leichte Krankheitsverläufe bedürfen kei­ner The­rapie. Symptomatische Maßnah­men sind bei schweren Verlaufsformen angezeigt. Eine spezi­fische Therapie mit Spiramycin wurde beschrie­ben. Sie gilt aber eher als Therapieversuch.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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