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Lexikon zum Laborbefund

Leberegel

Leberegel sind Saugwurmarten, die in der Leber und Gallenblase verschiedener Pflanzenfresser, insbesondere Schafen, Ziegen und Rindern vorkommen. Zwischenwirte sind verschiedene Schneckenarten, insbesondere Zwergschlamm­schnecken. Man unterscheidet zwischen dem „Großen Leberegel“ (Fasciola hepatica) und dem „Kleinen Leberegel“ (Dicrocoelium lanceo­latum). In Europa ist insbesondere der Befall mit dem Großen Leberegel (Fasziolose) von Be­deutung.

Die Fasciolose zeigt sich klinisch ein bis zwei Monate nach Infektion durch Leberschwellung, Fieber und Bauchschmerzen, labormäßig findet man eine eosinophile Entzündung (Wander­phase) im Blut.

Der Große Leberegel (Fasciola hepatica) ist ein weltweit vorkommender Parasit von bis zu 3 cm Länge, Fasciola gigantica (Riesenleberegel) ist in Asien und Afrika beheimatet und wird bis zu 7 cm groß. Endwirte sind gewöhnlich Pflanzen­fresser wie Rinder, Ziegen oder Schafe befällt.

Nach Ausscheidung durch den Endwirt werden die Larven durch den Zwischenwirt (Zwerg­schlammschnecke) aufgenommen und es kommt dort zu einer 6 bis 8 Wochen dauernde Ent­wicklungsphase. Die Larven verlassen dann ak­tiv die Schnecken und und heften sich an Pflan­zen;  bei der Futteraufnahme kann es erneut zur Neuinfektion kommen.

Nach der Aufnahme des mit Larven verseuchten Futters von Pflanzenfressern durchbohren diese die Darmwand und wandern über die Bauch­höhle in die Leber, wo sie nach ihrer 6-wöchigen Wanderung in die Gallengänge eindringen.

Dort verursachen sie Gallengangentzündungen, die Leberschäden und Gallensaftabflußstörungen nach sich ziehen und beginnen nach abgeschlos­sener Entwicklung mit der Fortpflanzung und Eiablage.  Diese Eier gelangen mit der Gallen­flüssigkeit über den Darmtrakt ins Freie und rei­fen einige Wochen im Wasser.

Der ebenfalls weltweit vorkommende Kleine Leberegel (Dicrocoelium dendriticum) ist  0,5 bis 1,5  cm groß und hat einen Ent­wick­lungs­zyklus über zwei Zwischenwirte zum Endwirt.

Erster Zwischenwirt ist wieder eine Schnecke (ver­schiedene Landschneckenarten), zweiter Zwi­schen­wirt ist eine Ameise. Die durch die Larven des kleinen Leberegels infizierte Ameisen befinden sich auf Grashalmen und gelangen dann beim Grasen in die Körper der Endwirte wie Schafen, Ziegen oder Rindern, selten auch Menschen.

Nach ca. 6-wöchiger Wanderung und einer Vermehrungsphase in den Gallengängen der Leber des betroffenen Endwirts legen die Parasiten dort ihre Eier ab. Mit zunehmender Dauer des Befalls kommt es dort zu  Ver­kalkungen der Gallengänge, bei massiven Befall mit Leberegeln kann es zur Lebernekrose kommen.

Auch hier erfolgt die Diagnose durch den Nach­weis der Eier im Stuhl oder Duodenalsekret, frühestens drei Monate nach Infektion.

Weitere, hier weniger relevante, überwiegend im asiatischen Raum vorkommende Parasiten sind der Chinesischer Leberegel (Clonorchis sinensis) und der Riesendarmegel (Fasciolopsis buski).

Endwirte des Chinesische Leberegels sind fischfressende Säugetiere (Katzen) und der Mensch. Weltweit sind nach Schätzungen bis zu 30 Millionen Menschen infiziert. Die Clonorchiose ist damit eine der weltweit häufigsten Wurmerkrankungen. Der Riesen­darmegel kann bis zu 8 cm groß werden.

Mehrere Millionen Menschen sind in asiatischen Ländern infiziert Das Schwein ist natürlicher Zwischenwirt, aber auch Hunde und Kaninchen können von diesem Parasiten infiziert werden. Die Diagnose von Chinesischem Leberegel und Riesendarmegel erfolgt durch den Nachweis der Eier im Stuhl

Den Katzenleberegel (Opisthorchis felineus) findet man endemisch in Osteuropa (über 2 Millionen Infizierte); befallen werden neben dem Menschen fischfressende Wildtiere wie Katze, Fischotter oder Fuchs. Die Diagnose wird durch den Nachweis der Eier im Stuhl oder Duodenalsekret gesichert.


Dr. Stephan Schauseil et. al., Medizinische Laboratorien Düsseldorf


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